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Weniger Stress bei hohem Obst- und Gemüseverzehr

Wer viel Obst und Gemüse verzehrt, hat ein geringeres Stresslevel als Menschen mit geringerem Verzehr. So lautet das Ergebnis einer australischen Studie mit über 8.600 Teilnehmern.

(19.5.2022) - Bis zu einem gewissen Grad ist Stress eine normale Alltagserscheinung. „Langfristiger und unkontrollierter Stress kann [jedoch] zu einer Reihe von Gesundheitsproblemen führen, darunter Herzkrankheiten, Diabetes, Depressionen und Angstzustände“, erläutert Doktorandin Simone Radavelli-Bagatini vom Institut für Ernährungsforschung an der Edith Cowan Universität (Perth). „Wir müssen also Wege finden, um psychischen Problemen vorzubeugen und sie möglicherweise in Zukunft zu lindern“, folgert Radavelli-Bagatini.

Bislang wurden Assoziationen zwischen Ernährungsbestandteilen und Stress allerdings noch nicht ausreichend erforscht. Daher haben Radavelli-Bagatini und weitere Wissenschaftler verschiedener australischer Universitäten den Zusammenhang zwischen dem Obst- und Gemüsekonsum und dem Stresslevel von 8.689 Teilnehmern der Australischen Diabetes-, Adipositas- und Lebensstilstudie (Aus-Diab) untersucht. Alle Probanden füllten einen Fragebogen zum Lebensmittelkonsum aus und gaben Auskunft über subjektiv empfundene Belastungen.

„Wir haben festgestellt, dass Menschen, die mehr Obst und Gemüse zu sich nehmen, weniger gestresst sind als Menschen mit einer geringeren Zufuhr“, fasst die Erstautorin und Doktorandin Simone Radavelli-Bagatini das Hauptergebnis der Studie zusammen. „Dies deutet darauf hin, dass die Ernährung eine Schlüsselrolle für das psychische Wohlbefinden spielt.“ Im Detail hatten Probanden mit einem täglichen Obst- und Gemüseverzehr von mindestens 470 Gramm einen um zehn Prozent geringeren Stresslevel als jene mit einem Verzehr von unter 230 Gramm pro Tag. Zum Vergleich: Fachorganisationen empfehlen, täglich fünf Portionen Obst und Gemüse zu essen. Dies entspricht bei Erwachsenen 400 Gramm Gemüse und 230 Gramm Obst pro Tag.

Der Zusammenhang zwischen dem Obst- und Gemüsekonsum und dem empfundenen Stresslevel war unabhängig von Lebensstilfaktoren wie körperlicher Aktivität und Rauchen. Er bestand sowohl bei Frauen als auch bei Männern. Allerdings beobachteten die Wissenschaftler Alterseffekte. Offenbar profitieren Menschen im Alter von 45 bis 65 Jahren besonders von einem höheren Obst- und Gemüsekonsum. Einschränkend ist hier zu erwähnen, dass vergleichsweise wenig jüngere Menschen befragt wurden.

„Frühere Studien haben den Zusammenhang zwischen dem Verzehr von Obst und Gemüse und Stress bei jüngeren Erwachsenen gezeigt, aber dies ist das erste Mal, dass wir ähnliche Ergebnisse bei Erwachsenen aller Altersgruppen sehen“, erläutert Radavelli-Bagatini. „Die Ergebnisse der Studie unterstreichen, dass eine obst- und gemüsereiche Ernährung wichtig ist, um Stress zu minimieren.“

Der Mechanismus, über den der Obst- und Gemüseverzehr mit dem Stresslevel assoziiert ist, ist noch nicht bekannt. Radavelli-Bagatini geht von einer Beteiligung verschiedener Ursachen aus. „Entzündungen und oxidativer Stress im Körper sind anerkannte Faktoren, die zu erhöhtem Stress, Angstzuständen und schlechterer Stimmung führen können. Gemüse und Obst enthalten wichtige Nährstoffe wie Vitamine, Mineralien, Flavonoide und Carotinoide, die Entzündungen und oxidativen Stress verringern und damit das psychische Wohlbefinden verbessern können.“

Die Ergebnisse stammen aus einer Beobachtungsstudie, die keine Ursache-Wirkungs-Beziehungen nachweisen kann. Dennoch sind die Wissenschaftler hoch motiviert, Zusammenhänge zwischen Ernährung und Stress weiter zu erforschen. Momentan interessiert sie vor allem die Frage, welche Obst- und Gemüsesorten sich besonders positiv auf die psychische Gesundheit auswirken.

Quellen:

Edith Cowan Universität (2021): Eating more fruit and vegetables linked to less stress – study. Pressemitteilung vom 15.05.2021

S. Radavelli-Bagatini, L. C. Blekkenhorst, M. Sim (2021): Fruit and vegetable intake is inversely associated with perceived stress across the adult lifespan. Clinical Nutrition 40: Seite 2860-2867