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„Viele halten Diabetes für Schicksal“

US-Star Viola Davis ist die erste dunkelhäutige Künstlerin, die einen Oscar, einen Emmy- und einen Tony-Award für ihr schauspielerisches Können errang. In einem neuen Doku-Streifen engagiert sie sich für Diabetes-Vorsorge – nicht nur, weil sie selbst betroffen ist.

„Ein Schock“ sei es gewesen, 2016 selbst die Diagnose „Prädiabetes“ zu erhalten, erinnert sich US-Star Viola Davis in Interviews zum neuen Dokumentarfilm „A Touch of Sugar“. Im vom Pharmakonzern Merck präsentierten Streifen, der vergangenen April beim „Tribeca Fim Festival“ präsentiert wurde, fungiert die Top-Actrice als Erzählerin. Und im Vorfeld beschrieb die 54-jährige Oscar-Preisträgerin detailliert, was sie als „Amerikas Typ-2 Diabetes-Krise“ betrachtet –  sowohl mit harten Zahlen, als auch mit sehr emotionalen Fakten.

30 Millionen erwachsene Amerikaner sind, so Davis in einem BuzzFeed-Livegespräch, Typ-2-Diabetiker. 84 Millionen leben mit Prädiabetes. Viele ohne es zu wissen. Vor allem jene, die aus finanziellen Gründen keinen Zugang zu Gesundheitsversorgung, Vorsorgeprogrammen, regelmäßigen Kontrolluntersuchungen und gesunder Ernährung haben, hätten keine Chance, sinnvoll mit der Krankheit umzugehen.

Davis, die in Rhode Island selbst in schwierigen Verhältnissen aufwuchs, schildert: „Die Leute sagen, der Zucker liegt in der Familie. Sie sehen ihn wie ein Schicksal und akzeptieren ihn einfach, wenn er da ist. Ich bin eine von den 84 Millionen Erwachsenen, die mit Prädiabetes leben und teile meine Geschichte zum ersten Mal, um andere dazu zu inspirieren, aktiv gegen diese Diabetes-Epidemie vorzugehen“.

Wichtige Worte mit durchaus persönlichem Hintergrund. Denn Viola Davis hat über ihre eigenen erhöhten Zuckerwerte hinaus Erfahrung mit der Krankheit: „Meine beiden Schwestern ringen mit Typ-2-Diabetes und meine Tante starb an den Folgen“. Obwohl ihr das Risiko somit bekannt war, sei sie selbst von der Diagnose überrascht worden: „Ich wusste nicht, was ich tun soll und hatte das Gefühl, nicht viele Möglichkeiten zu haben. Dabei halte ich mich selbst für jemanden, der sich gesund ernährt und Sport macht“.

Seitdem bemüht sich die Schauspielerin noch intensiver um gesunden Lebensstil. Vor allem ihrer kleinen Adoptiv-Tochter Genesis zuliebe, wie sie im „People“-Magazine betonte: „Ich möchte so lange wie möglich gesund für sie sein.“ Der bewusste, aktive Umgang ihrer Schwestern mit dem Diabetes mache sie stolz, weil diese „nicht herumsitzen und zuschauen“.

Ein im Film dokumentierter Fall hat Viola Davis besonders beeindruckt: Eine Mutter, die erst begann, sich auch mit dem eigenen Diabetes zu beschäftigen, als ihr elfjähriger Sohn ebenfalls damit diagnostiziert wurde. „Es geht um Selbstfürsorge! Aber viele denken, Diabetes sei nichts Ernstes, obwohl er jeden Aspekt ihres Lebens beeinflusst. Sie vergessen, dass er letztlich doch immer eine Krankheit ist“, meinte der Star der TV-Serie „How to Get Away with Murder“ im BuzzFeed-Talk.

Der Film „A Touch of Sugar“ soll Bewusstsein dafür schaffen, dass Typ-2-Diabetes ein dringendes Gesundheitsproblem ist, das vor allem in sozial schwachen Gesellschaftskreisen zahllose Leben gefährdet und nicht länger ignoriert werden darf. Die persönlichen Geschichten Betroffener, die Regisseur Ani Simon-Kennedy ins Rampenlicht rückt, sind berührend und aufwühlend.

Mit Viola Davis als Produzentin und Sprecherin ist dem Werk eine breite Öffentlichkeit sicher. Dass diese – und die damit verbundene Information – Not tut, belegen Zahlen, die auf der Website von „America’s Diabetes Challenge“ zu finden sind:

Setzt sich der aktuelle Trend fort, wird die Häufigkeit der Diabetes-Fälle in den USA bis zum Jahr 2030 um 54 Prozent ansteigen. Rund 29 Millionen Amerikaner haben keine Versicherung. Diabetiker ohne private Versicherung (ausgenommen jene mit staatlicher Versicherung) suchen um 60 Prozent weniger oft einen Arzt auf und bekommen um 52 Prozent weniger Medikamente verschrieben. Etwa ein Drittel der diagnostizierten erwachsenen Diabetiker in den USA haben ihre empfohlenen Zuckerwerte in den vergangenen zwei bis drei Monaten nicht erreicht.

Fakten, die Klasse-Schauspielerin Viola Davis in ihrem Engagement beflügeln. So fasst sie etwa für „America’s Diabetes Challenge“ die Erinnerung an erkrankte und verstorbene Familienmitglieder und ihr jetziges Ziel zusammen: „Als wir aufwuchsen, sagten wir einfach, die hatten den Zucker. Das klang nicht besonders besorgniserregend. Aber wenn man sich die Fakten ansieht, dann ist da nichts Harmloses an Diabetes. Es ist eine chronische Erkrankung die ernst genommen werden muss, wenn wir sie in den Griff bekommen wollen“.

Dafür, wie man schwierige Umstände und Krisen in den Griff bekommt, ist Davis selbst ein leuchtendes Beispiel. Schon als Kind waren Filme für sie eine Möglichkeit, dem tristen Alltag zu entfliehen. Ihr Vater arbeitete an Rennbahnen, wo er oft als Pferdepfleger zum Einsatz kam, und die Familie hatte ständig mit finanziellen Engpässen zu kämpfen.

In der Schulzeit entdeckte Viola Davis früh ihre Leidenschaft für die Schauspielerei, schaffte es an die renommierte Juilliard School of Performing Arts in New York und erarbeitete sich bald einen Namen in der Theaterszene des Big Apple. Ihre Leistung im Drama „King Hedley II“ 2001 wurde mit dem Tony Award prämiert.

Für ihre Rolle als Serienkillerin in der TV-Serie „Law & Order“ wurde sie zwar hochgelobt, zugleich allerdings auch von Teilen der afro-amerikanischen Gemeinde heftig kritisiert. Filmrollen folgten. Und Davis bewies rasch, dass sie auch neben Hollywood-Größen wie Meryl Streep bestehen kann: In „Doubt“ spielte sie die Rolle eines von einem Priester missbrauchten schwarzen Jungen so perfekt, dass sich die Kritiker mit Lobeshymnen überschlugen und sie für den Oscar nominiert wurde.

Ein weiterer „Tony Award“ für eine Theaterrolle trieb ihre Karriere zusätzlich voran. Und Davis Engagement gegen Rassenhass und für Gleichberechtigung wuchs. Für ihre Rolle in „How to Get Away with Murder“ erhielt sie den „Emmy Award“ und war damit die erste afro-amerikanische Schauspielerin, die die Auszeichnung als beste Hauptdarstellerin einer Drama-Serie für sich verbuchen konnte.

Und damit nicht genug: 2017 wurde Viola Davis mit dem Oscar für die beste weibliche Nebenrolle im Film „Fences“ geehrt. Ihre Dankesrede erntete Begeisterung und wurde weltweit zitiert. Vor allem mit dieser Passage:

„Es gibt einen Ort an dem alle Menschen mit dem größten Potenzial versammelt sind – und das ist der Friedhof. Leute fragen mich oft, welche Geschichten ich erzählen will. Und ich sage, exhumiert diese Körper. Exhumiert ihre Geschichten. Diese Geschichten von Menschen, die große Träume hatten, die sie nie Wirklichkeit werden sahen. Menschen, die geliebt und verloren haben“.

Viola Davis lebt mit ihrem Mann, dem Schauspieler Julius Tennon, und ihrer Adoptivtochter Genesis in Los Angeles. 

(Quelle: https://www.biography.com/actor/viola-davis )