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Trotz und mit Diabetes entspannt in den Urlaub

Diabetes ist robust. Er fängt sich keinen Sonnenbrand und wenn man ein bissel aufs Essen schaut, wird ihm nicht einmal schlecht. Mit Diabetes kann man also wunderbar auf Urlaub fahren. Vorausgesetzt man beachtet ein paar Punkte.

Urlaub vom Diabetes? Gibt’s leider nicht. Urlaub mit Diabetes? Kein Problem. Etwas Zeit für Reisevorbereitungen nehmen und man kann später den wohlverdienten Urlaub ohne Aufregung und Stress genießen. 

Vor der Reise 
Es gibt viele wichtige Dinge, die vor Reisebeginn erledigt werden müssen. Am besten hilft eine Reise-Checkliste:

  • Personalausweis/Reisepass
  • e-card / Auslandskrankenschein für Länder außerhalb der EU
  • eventuell private Reisekrankenversicherung
  • Reiseapotheke
  • Impfungen/Impfpass
  • Urlaubsdokumente (Flugticket, Devisen etc.)
  • Reise- und Gepäckversicherung
  • Diabetes-Notfallanhänger (in englischer oder deutscher Sprache) 
  • Dreisprachige Bestätigung  (deutsch, englisch und französisch) für Reisende mit Diabetes (zu finden bei den DOWNLOADS)
  • Diabetiker-Kost bei der Fluglinie und im Hotel bestellen
  • Mit dem Arzt eventuell anstehende Impfungen sowie ggf. den Spritz-/Essplan für die Reise (bei Flugreisen eine evtl. Zeitverschiebung) besprechen.                                         
  • Das Buch „Wenn Diabetiker reisen“ von Peter P. Hopfinger enthält einen Diabetes Dolmetscher mit den wichtigsten Begriffen und Sätzen in 7 Sprachen. Eine praktische Hilfe für Diabetiker in Notsituationen.   

Erkundigen Sie sich bei Ihrem Arzt, wie Ihre Medikamente in Ihrem Urlaubsland heißen. Das gleiche Medikament hat im Ausland oft einen anderen Namen. Für die Reise ausreichend Medikamente, Pennadeln und anderes Zubehör besorgen. Im außereuropäischen Ausland kann die Beschaffung von Medikamenten, Spritzen etc. schwierig sein. In Spanien gibt es etwa nur Einmal-Pens und keine Patronen. Allgemeine reisemedizinische Beratung ist auch beim örtlichen Gesundheitsamt, in einigen Apotheken oder bei anerkannten reisemedizinischen Beratungsdiensten erhältlich.

Hilfreich kann eine Liste mit diabeteserfahrenen Ärzten, die am Urlaubsort ordinieren, sein. Informationen sind am Fremdenverkehrsamt des Urlaubsortes erhältlich. 

Eine kleine Reiseapotheke zusammenstellen (Verbandsmaterial, Brand- und Wundsalben, Fieberthermometer, Medikamente gegen Übelkeit, Schmerzen, Magenbeschwerden, Fieber, Fußpflegemittel, Insektenschutz). 

E-Card nicht vergessen: Versicherte der heimischen Krankenkassen haben zumindest in den Ländern des Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) einen Grundschutz, der als Minimalversorgung angesehen werden kann und nicht für jedes Reiseziel besteht. Die Kosten eines Rücktransports sind davon nicht abgedeckt.

Reisekrankenversicherungen können in der Regel ohne Gesundheitsprüfung und für geringe Beiträge abgeschlossen werden. Diese gilt in der Regel nur für Reisen mit einer Dauer von maximal sechs Wochen. Beim Abschluss einer Reisekrankenversicherung sollte darauf geachtet werden, dass sie auch die Notfallbehandlung für Diabetes einschließt.

Gute Reise mit dem Flugzeug

Bei Flugreisen mit Zeitverschiebungen ist die nötige Vorbereitung das Wichtigste. Bei Reisen ins Ausland sollte man ein ärztliches Attest, ein „Medical Certificate“ und den Therapieplan mitnehmen. Das Attest sollte in englischer Sprache oder besser noch in der Landessprache verfasst sein. Erfragt werden sollte das Mahlzeiten-Serviceangebot der Fluggesellschaften, bitte beachten, dass bei Turbulenzen, Flugausfällen und -verzögerungen der Essen-Service entfallen kann.

Bei jeder Flugreise kann Gepäck verloren gehen, deshalb: Wichtiges gehört unbedingt in das Handgepäck. Also Insulin, Blutzucker Messgerät, Teststreifen, Ersatzbatterien*, Stechhilfe, Lanzetten*, Pens und U 40 bzw. U 100 Ersatzspritzen für den Fall, dass der Pen defekt ist, Pen-Nadeln* und Insulin* (* jeweils in Originalverpackung). Bei Flugreisen das Insulin auf mehrere Handgepäckstücke verteilen. Ein ausreichender Traubenzucker und Not-BE/KE Vorrat kann in den Koffer gepackt werden.

Behälter dürfen maximal 100 ml einer Flüssigkeit enthalten und müssen in einem verschließbaren durchsichtigen Plastikbeutel von 1 l Volumen vorgelegt werden! Eher leicht erhöhte Blutzuckerwerte durch Zusatz-BE/KE oder Verringerung der Insulindosis anstreben. Dies gilt sowohl am Flugtag als auch an den ersten drei Tagen am Zielort. Korrekturen erst bei Blutzucker von 10-12 mmol/l oder 180 bis 200 mg/dl.

Für die Insulinpumpen-Therapie

Die Insulinpumpe passt sich im Normalfall automatisch an den veränderten Kabinendruck an. Weil die Luftfeuchtigkeit unter 10 % liegt, kann das Blutzucker-Messgerät die Werte niedriger anzeigen, als sie tatsächlich sind.

Sonnenschutz: Herausforderung diabetische Haut 

Wenn die Haut ohnehin schon zu Trockenheit neigt, tun Wind, Sonne, warme Luft und Wasser ihr Übriges dazu. Vor allem die neurodermitische und diabetische Haut leiden dann zusätzlich. 

Regierungs-Service für Reisende: App des Ministeriums hilft 

Pass verloren, Medikamente weg? - Ohne App geht gar nichts mehr, auch nicht auf Reisen. Die Applikation „Auslandsservice“ kann gratis heruntergeladen werden und bietet Reiseinformationen über 197 Länder sowie Tipps für Notfälle samt Kontaktdaten zu Botschaften und Konsulaten. Mehr auf www.auslandsservice.at 

Antritt der Reise 
Das sollte im Handgepäck, d.h. für den kurzfristigen Diabetesbedarf (2-3 Tage) mitgenommen werden:

  • Ausreichend Insulin, Tabletten. (in der Originalverpackung, inkl. Beipackzettel)
  • Spritzen, Pen mit ausreichend Nadeln, Pumpe bzw. U-100-Einmalspritzen als Ersatz
  • Stechhilfe mit ausreichenden Lanzetten
  • Blutzuckermessgerät mit genügend Teststreifen bzw. Sensoren
  • Reservebatterien für Pumpe bzw. Messgerät
  • Not-BEs wie z. B. Traubenzucker oder Flüssigzucker zur Behandlung leichter Unterzuckerungen
  • Glukagon-Notfallset (bitte informieren Sie Mitreisende über die Handhabung) 
  • Dreisprachige Bestätigung für Reisende mit Diabetes (zu finden bei den DOWNLOADS)
  • Diabetes-Notfallanhänger (um den Hals tragen!)
  • Diabetikertagebuch
  • Evtl. BE-Tabelle

Das sollte im Hauptgepäck (für den längerfristigen Bedarf) mitgenommen werden:

  • Spritzen bzw. Ersatz-Pen, Kanülen
  • U-100-Einmalspritzen (für Pen- oder Pumpenausfall)
  • Ein zweites Blutzuckermessgerät als Ersatz, sowie Ersatzbatterien und zusätzliche Teststreifen und Sensoren
  • Ärztliches Rezept für Insulin, Tabletten, Glukagon-Notfallset

Am Urlaubsort 
Ärztliche und Notfall-Versorgung klären. 
Telefonnummern von Arzt, Rettungswagen, Apotheke und Klinik erfragen. 

Veränderte Verhaltensweisen im Urlaub

Der Urlaub stellt an einen Diabetiker andere Anforderungen als an das Leben zu Hause. Je routinierter man schon zu Hause mit seinem Diabetes umgeht, desto leichter wird die Bewältigung neuer Situationen im Urlaub gelingen. Denn im Urlaub ist man mehr unterwegs, man bewegt sich mehr, schläft morgens länger oder auch die Essensmahlzeiten verschieben sich. Aus diesem Grunde ist es ganz wichtig, den Blutzucker häufiger als gewohnt zu kontrollieren und die Therapie dementsprechend anzupassen. Folgende Faktoren führen beim Blutzucker zu veränderten Werten: 

Bewegung: Im Urlaub bewegt man sich häufig mehr als zu Hause. Dies kann zu Blutzuckerschwankungen und somit zu einem veränderten Insulinbedarf und einem anderen Tagesablauf führen. Körperlich anstrengende Touren nie alleine unternehmen. Eventuell auch fremde Begleiter über die Krankheit und geeignete Maßnahmen im Notfall informieren. 

Hitze: Große Hitze mit intensiver Sonneneinwirkung oder ein heißes Thermalbad beschleunigen die Insulinwirkung, da die Haut bei hohen Temperaturen besser durchblutet und das Insulin schneller aufgenommen wird. Dies kann schnell zu einer Unterzuckerungen führen. Des Weiteren steigt durch das vermehrte Schwitzen der Flüssigkeitsverlust. Die ohnehin eingeschränkte Nierenfunktion kann weiter sinken. 

Durch das Weglassen von Mahlzeiten, das Essen zu ungewohnten Zeiten oder Alkoholkonsum kommen die Blutzuckerwerte durcheinander. 

Ernährung: Im Urlaub kann man unter Berücksichtigung des normalen Kostplans und mit einer Austauschtabelle wie gewohnt essen. Hilfreich ist es, sich über landesüblichen Gerichte und deren Gehalt an Kohlenhydraten über entsprechende Reiseführer oder landesspezifische Kochbücher zu informieren. Entsprechende Tabellen, die immer dabei sein sollten, besorgen. Gut eingespielte und routinierte Diabetiker können auf jeden Fall landestypische Gerichte probieren. Sie sollten dann aber bei einem ungewohnten Essen kurz vorher und zwei Stunden nachher Blutzuckertests durchführen. Teilweise kann man sich den Kohlenhydratgehalt dieser Mahlzeiten aus bekannten Lebensmitteln ableiten: Bulgur in der Türkei hat denselben Kohlenhydratgehalt wie Weizen, also kann man ihn wie Weizen berechnen: 15 bis 20 Gramm pro BE. 
Man sollte auch Erkundigungen einholen, wie und wo man sich mit entsprechenden Zwischenmahlzeiten versorgen kann (Hotel oder Supermarkt). 
Traubenzucker in festen, insektensicheren Behältnissen aufbewahren. 

Ganz wichtig: Etwa 1,5 bis 2 Liter ALKOHOLFREIE Flüssigkeit am Tag trinken! In wärmeren Reisegebieten muss man sogar 3 bis 4 Liter alkoholfreie Getränke zu sich nehmen. Alkohol ist eigentlich "Gift" für den Körper eines Diabetikers. Man sollte alkoholische Getränke im Urlaub nur dann trinken, wenn dies ohne Gefahr für die Gesundheit ist und die Blutzuckerwerte unter Kontrolle sind. Auch dann den Alkohol nur in vernünftigen Mengen und nie auf leeren Magen trinken. 

Insulinlagerung am Urlaubsort 
Egal, wohin die Urlaubsreise geht – ob in den sonnigen Süden oder in den Tiefschnee der Alpen –, die Aufbewahrung der Diabetiker-Utensilien, und hierbei speziell des Insulins, gehört in die Hände des Diabetikers. Die Insulinpatronen sollten bei einer Temperatur von circa 2°C bis 8° C gelagert werden. 

Wir wünschen eine gute Reise und viel Spaß im Urlaub!