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Time to say goodbye!

180 Tage mit dem Eversense XL – ein Fazit von Peter P. Hopfinger

Ein halbes Jahr hielt meine Beziehung mit „Eve“, der „Freundin“ aus dem Haus Roche mit der offiziellen Bezeichnung Eversense XL. Jetzt ist die Zeit gekommen, voneinander Abschied zu nehmen.

Liebesbeziehung war es ja vom Start weg nicht, obwohl mir „Eve“ gleich im Sinn des Wortes unter die Haut ging. Es war und ist eine Vernunftbeziehung, die sich aus dem Faktum Diabetes ergeben hat.

Lesen Sie hier auch Teil 1 und Teil 2 meiner Berichte:

Teil 1: Eversense XL – Mein neuer Lebensabschnitts-Partner
Teil 2: Der Honeymoon ist vorbei – Willkommen im Alltag!

Beginnen wir mit „Eves“ Stärken:

  • Es ist das CGM-System mit der längsten „Lebensdauer“. Ganze 180 Tage bleibt der Sensor unter der Haut, kann aber nur mit ärztlicher Hilfe implantiert und entfernt werden.
  • Die kontinuierliche und automatische Messung zeigt nicht nur ein engmaschiges Netz des Zuckerverlaufs, sondern erleichtert auch wesentlich die Verbesserung des sogenannten Time in Range-Faktors (TIR)*.
  • Besonders bei nächtlichen Anstiegen oder Unterzuckerungen kann Eversense XL ein echter Lebensretter sein. Denn auch wenn man ohne Smartphone neben dem Bett schläft, brummt bei beiden drohenden nächtlichen Ereignissen der Sensor im Oberarm nachdrücklich und mehrfach. Das hat auch mich fallweise zeitgerecht geweckt und mir ermöglicht, nächtliche Hypers und Hypos zu vermeiden.
  • Die meiste Zeit braucht man kein zusätzliches Gerät. Da „Miss Eve“ über eine App am Smartphone kontrolliert wird, kann das traditionelle Blutzucker-Equipment samt Messgerät, Stechhilfen und Streifen meist zu Hause bleiben. Nur zum regelmäßigen Kalibrieren (morgens und abends) braucht man es noch.
  • Der Transmitter des Eversense XL (also das kleine Gerät, das man auf der Haut aufklebt) braucht offiziell nur einmal täglich eine Ladung Strom (etwa 15 Minuten dauert das Laden),

Damit kommen wir auch zu den kleinen Schwächen

  • Die täglich nur einmalige Ladung hat nicht nur bei mir nicht lange funktioniert. Andere Anwender berichteten mir von fast 30stündiger Lebensdauer der Batterie, mein Transmitter hielt nur am Anfang einen Tag durch, fordert aktuell zwei Mal täglich mehr Power. Allerdings: Roche bietet bei Problemen dieser Art sofortigen Ersatz an.
  • Das permanente Mitteilungsbedürfnis des Systems hilft zwar sehr, kann aber manchmal auch enervierend sein. Vieles ist vernünftigerweise sehr individuell einzustellen.
  • Selten gibt es doch verwirrende Situationen: die App findet minutenlang den Transmitter nicht (Lösung: Telefon ein- und ausschalten).
  • Platzierungshilfe: Die ist sinnvoll und man bekommt im Lauf der Zeit auch eine gute Routine im ein- bis zweimaligen täglichen Aufkleben (noch leichter geht´s, wenn man wie ich in der Sonne war und der Transmitter einen hellen Fleck auf der Haut hinterlassen hat). Allerdings: auch das passt manchmal besser und manchmal weniger gut. Eine raschere Erkennung der Geräte untereinander wäre hilfreich und wünschenswert.

Mein persönliches Fazit: eine wichtige, hilf- und lehrreiche Erfahrung, die ich auf keinen Fall missen möchte und die mir in Phasen nächtlicher Unterzuckerungen sehr geholfen hat. Das Kalibrieren werde ich nicht vermissen, höre aber, dass die nächsten Eversense XL-Generationen weniger blutige Kontrollen benötigen werden.

Neugierig bin ich, ob ich mit anderen Systemen, die ich in Zukunft testen werde, ebenfalls in den Time in Range*-Bereich von 75 Prozent kommen werde.

PS: Der OP-Termin zur Entfernung liegt noch knapp zwei Wochen vor mir. Aber er macht mir keine Sorgen, da das Implantieren für mich simpel und schmerzlos war, hoffe ich auch hier auf das Beste.

PPS: Heute, am 13.2. um 7 Uhr früh hat „Eve“ ihre Dienste eingestellt und eine letzte lakonische Botschaft geschickt: Sensor abgelaufen, es werden keine Daten mehr übermittelt.

Time to say Goodbye!

 

*Time in Range (TIR) wird heute von Diabetes-Experten mehr Bedeutung geschenkt als dem Langzeitwert HbA1c. Denn letzterer kann auch mit massiven Unterzuckerungen „erkauft“ werden. Das ist bei der Zeit im Zielbereich nicht möglich. Angestrebt werden 75 Prozent!