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Theresa May: Typ-1-Diabetes mit Mitte 50

Augen zu und durch

Die britische Premierministerin Theresa May ist weltweit der erste Regierungschef, bei dem ein Typ-1-Diabetes bekannt ist. Und noch etwas ist an ihrer Erkrankung besonders: May erhielt ihre Diagnose erst im Jahr 2012, als sie bereits 56 Jahre alt war.

Nichts, aber auch gar nichts scheint die britische Premierministerin Theresa May umzuwerfen. „Business as usual“, das ist eines der Leitmotive der aus Eastbourne (Grafschaft East Sussex) stammenden Premierministerin, und mit dem Leitsatz stellte sie sich auch den Brexit-Verhandlungen und einer Sturmflut an Kritik, die über sie hereingebrochen ist. „Verrat“, „Versagen“ und „Verkauf“ waren noch sanftere Worte, die ihre Gegner in auch sehr persönlichen Angriffen vortrugen.

May stellt sich dem nicht nur scheinbar ungerührt, sondern auch unermüdlich. Nichts, aber auch gar nichts scheint die 62-Jährige umzuwerfen. Selbst Gegner müssen sich die Frage stellen: Wann schläft diese Frau? May schmückt sich auch mit dem Wort ihres Parteifreunds Ken Clarke, dass sie eine „verdammt schwierige Frau“ sei. Die Premierministerin hat einen extrem engen Mitarbeiterkreis und vertraut außer ihrem Mann wohl keinem.

Theresa May trägt nicht nur gern extravagante Schuhe im Leopardenlook und auffällige Accessoires wie übergroße Halsketten, sondern seit einiger Zeit auch einen weißen Knopf an ihrem linken Oberarm. Doch der soll kein modisches Statement sein, das runde Teil am Arm der britischen Premierministerin hat einen praktischen Zweck: Es ist ein kleiner Sensor (FreeStyle Libre), der den Blutzuckerspiegel in ihrem Körper überwacht und die Werte an einen Datenleser oder eine Smartphone-App übermittelt.

Eine Frau, die nicht aufgibt

Theresa May outete sich vor Jahren in der Zeitung „The Mail on Sunday“ und erklärte, dass Diabetes zwar ihr Leben verändert habe, dass sie sich dadurch aber nicht einschränken lasse. Sie hat ihren Lebensstil angepasst und spritzt Insulin.

Das Amt der Premierministerin stellt für ihre Diabetestherapie eine zusätzliche Herausforderung dar. Theresa May ist häufig zu gesellschaftlichen Anlässen mit Essen eingeladen, nimmt an Konferenzen und Sitzungen teil. Vor diesen Terminen checkt May ihren Blutzucker, um zu wissen, woran sie ist und wie sie reagieren muss. Das hat auch dazu geführt, dass sie die strikte Regel des Houses of Common’s bricht und während Parlamentstagungen notfalls Nüsse knabbert, um nicht unterzuckert zu sein. Theresa May findet ihr hohes Amt, in dem unregelmäßige Arbeitszeiten die Regel sind, durchaus vereinbar mit ihrem Diabetesmanagement. Darin, so die Premierministerin, sei sie nicht anders als andere Betroffene, die Leben und Arbeit mit Diabetes unter einen Hut brächten.

Theresa May spricht offen über ihren Diabetes. Als sie vor einem Essen Insulin spritzen musste, entschuldigte sie sich bei ihren Tischnachbaren mit den Worten: „You do start eating, I’ve got to go and do my insulin.“ Übersetzt: „Fangt schon an zu essen. Ich muss mich erst um mein Insulin kümmern.“ Sie sagt, dass Sir Steve Redgrave sie zu ihrer Offenheit im Umgang mit Diabetes inspiriert habe. Der legendäre britische Weltklasseruderer, der mit Diabetes mehrere olympische Medaillen gewann, ist auch in dieser Hinsicht ein großes Vorbild. Theresa May war überrascht, dass ihr Coming-out Wellen schlug. Ihre Botschaft ist jedoch klar: Diabetes hat sie nicht abhalten können, das höchste Ministeramt in ihrem Land zu übernehmen. Auch dafür gibt es ein gutes Vorbild. Historiker nehmen an, dass König Henry VIII. an Diabetes litt. (red)