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SGLT-2-Hemmer: Neuer Schutz für Herz & Nieren

Und: wie man sich vor möglichen Nebenwirkungen schützt

Von Prof. Dr. Yvonne Winhofer

SGLT-2-Hemmer, auch Gliflozine genannt, gehören zu den neuen Stars der Diabetesmedikamente. Und das zu Recht! Denn SGLT-2-Hemmer senken nicht nur den Blutzucker, sondern auch den Blutdruck und das Gewicht. Ausserdem konnte für die meisten der Präparate ein Vorteil für Herz und Nieren gezeigt werden. Deshalb sollen diese Medikamente auch frühzeitig bei Patientinnen und Patienten mit Herzkreislauf-erkrankungen, vor allem Herzschwäche, zum Einsatz kommen. Bei vielen Patienten werden sie in einer Kombinationstablette mit Metformin verschrieben.

Mögliche Nebenwirkungen können den Einsatz dieser Medikamente jedoch gefährden, deshalb ist es vor allem für die Patienten wichtig zu wissen, um welche Nebenwirkungen es sich handelt und wie man vorbeugt bzw. sich verhält, wenn sie dann doch auftreten.

Infektionen vermeiden!

Da die Wirkung der SGLT-2-Hemmer auf der Zuckerausscheidung durch den Harn basiert, wird unter der Therapie mit SGLT-2-Hemmer mehr Zucker über den Harn ausgeschieden, daher können sich leichter Infektionen im Intimbereich entwickeln.

Dazu gehören vor allem Pilzinfektionen bei Männern und Frauen, Harnwegsinfekte (also sog. Blasenentzündungen) sind eher selten. Um diese Infektionen zu vermeiden, ist die sorgfältige Intimhygiene ganz wichtig. Das bedeutet regelmäßiges Waschen des Initimbereichs, sowie Wechseln und heißes Waschen der Unterwäsche.

Frauen sollten nach dem Geschlechtsverkehr ihre Blase entleeren, um Keime in der Harnröhre zu vermeiden.

Männer sollten den Genitalbereich, vor allem Eichel und Vorhaut regelmäßig reinigen, jedoch ohne aggressive Seifen.

Sollten trotzdem Beschwerden auftreten, ist rasch der behandelnde Arzt zu informieren, damit dieser eine Behandlung beginnen kann. Die SGLT-2-Hemmer sollten dann nicht gleich abgesetzt werden; ein zweiter Versuch sollte aufgrund der positiven Eigenschaften gemacht werden. Sollte es zu wiederholten Infektionen kommen, wird man wahrscheinlich auf ein anderes blutzuckersenkendes Medikament wechseln.

Wie erkenne ich eine Harnwegs- oder Pilzinfektion?

Typische Symptome eines Harnwegsinfektes sind ständiger Harndrang, Brennen und Schmerzen beim Wasserlassen sowie Schmerzen im Unterleib. Pilzinfektionen können sich durch Juckreiz, Brennen und weißlichen Ausfluss bemerkbar machen. Neben der Anwendung der verordneten Medikamente (Pilzmittel, Antibiotika), empfiehlt es sich auch Textilien, die mit dem entzündeten Körperteil in Kontakt waren, zB Handtücher, zu wechseln.

Bei akuter Krankheit und Operation sind einige Medikamente zu pausieren

SGLT-2-Hemmer, aber auch Metformin und einige blutdrucksenkende Medikamente sind sogenannte „sick-day-drugs“. Das bedeutet, dass sie an Tagen mit schwerer Erkrankung (Grippe, Lungenentzündung, hohes Fieber) nicht eingenommen werden sollten. Sobald man sich wieder besser fühlt und normal zu essen beginnt, können sie wieder eingenommen werden. Auch vor einer Operation sollten diese Medikamente – am besten nach Rücksprache mit dem Internisten, der die OP-Freigabe macht - pausiert werden. Sollten Sie eines der obengenannten Medikamente einnehmen, fragen Sie am besten nach, welche Medikamente vor der Operation nicht eingenommen werden sollten und ob sie stattdessen in dieser Zeit eine andere Therapie (zB vorübergehend Insulin) brauchen.

Euglykäme Ketoazidose – selten aber doch

Die typische diabetische Ketoazidose entsteht aufgrund erhöhter Blutzuckerwerte und tritt vor allem bei insulinpflichtigen Typ 1 Diabetikern auf. Vor allem bei Patienten mit Insulinmangel (nicht erkannter Typ 1 Diabetes oder langjähriger Typ 2 Diabetes, bei dem die eigene Insulinreserve ausgeht) können unter der Einnahme von SGLT-2-Hemmern eine sogenannte euglykäme Ketoazidose entwickeln. Das bedeutet, dass Ketonkörper entstehen, die das Blut ansäuern, und der Blutzucker dabei „euglykäm“, d.h. also nicht auffällig hoch ist. Beschwerden dieser sehr seltenen Nebenwirkung können Übelkeit, Erbrechen, Bauch- und Kopfschmerzen sein. Treten diese Symptome unter der Einnahme eines SGLT-2-Hemmers auf, sollte umgehend medizinische Hilfe in Anspruch genommen werden. Wie erwähnt, ist diese Nebenwirkung aber sehr selten und nach Absetzen der Medikamente in den meisten Fällen rasch wieder vorbei.

Zusammengefasst handelt es sich bei den SGLT-2-Hemmern um sehr gute blutzuckersenkende Medikamente, die zusätzlich positive Auswirkungen auf das Herz und Nieren haben und bei sorgfältiger Anwendung selten zu Nebenwirkungen führen. Zudem verursachen sie keine Unterzuckerungen (Hypoglykämien, „Hypos“) und helfen bei der Gewichtsabnahme. Die meisten Patienten verlieren unter der Einnahme von SGLT-2-Hemmern 2-3 kg. Diejenigen, die zudem versuchen ihre Ernährung zu verbessern und die Gewichtsabnahme nicht mit zusätzlichen Kalorien kompensieren (viele Patienten essen dann mehr), können oft sogar mit einer stärkeren und vor allem dauerhaften Gewichtsabnahme rechnen.

Prof. Dr. Ivonne Winhofer

Die gebürtige Mattersburgerin ist Mutter zweier Söhne im Alter von zwei und fünf Jahren. Sie avancierte zur Assistenz-Professorin und Privat-Dozentin, arbeitet in der Abteilung für Endokrinologie und Stoffwechsel der Wiener Universitätsklinik für Innere Medizin III und ist seit November 2018 „First Secretary“ der ÖDG. 

Anmerkung der Redaktion - Folgende SGLT-2-Hemmer sind derzeit am Markt erhältlich:

  • Forxiga (Dapagliflozin)
  • Jardiance (Empagliflozin)
  • Steglatro (Ertugliflozin)
  • Invokana (Canagliflozin) als Monosubstanz

Mit Metformin:

  • Xigduo
  • Synjardi
  • Stegluromet
  • Vokanamet