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Sepsis-Management: „Orale Antidiabetika müssen abgesetzt werden“

Eine Sepsis ist immer lebensbedrohlich. Warum Diabetespatienten besonders gefährdet sind und was es in der Behandlung zu beachten gilt, erklärt der Diabetologe Professor Dr. Juris Meier aus Bochum.

Wie stark ist das Sepsisrisiko bei Menschen mit Diabetes erhöht?

Prof. Dr. Juris J. Meier: Das Risiko schwerer Infektionsverläufe bzw. einer Sepsis ist bei Diabetespatienten deutlich erhöht. Exakte Zahlen gibt es dazu nicht.

Sind alle Diabetespatienten betroffen oder gibt es Hochrisikokonstellationen?

Prof. Meier: Grundsätzlich sind alle Menschen mit Diabetes betroffen. Denn die Hyperglykämie selbst ist ein wesentlicher Faktor, der zum erhöhten Sepsisrisiko beiträgt. Sprich: Patienten mit hohen Blutzuckerwerten tragen ein höheres Risiko als gut eingestellte Personen. Die Gründe sind nicht abschließend geklärt. Wahrscheinlich wird durch eine akute Hyperglykämie die Funktion der neutrophilen Granulozyten gehemmt. Außerdem wirkt sich bei schlechter Stoffwechsellage die Anhäufung von AGE (Advanced Glycation Endproducts) negativ auf die Immunabwehr aus.

Vor diesem Hintergrund ist es wichtig, bei Diabetespatienten mit Sepsis die Blutzuckerwerte gut einzustellen. Wir streben heute in dieser Situation Werte zwischen 140 mg/dl und 180 mg/dl an. Früher wurde diskutiert, ob sich die Prognose vielleicht durch eine weitere Absenkung des Blutzuckers noch verbessern ließe. Das hatte sich zunächst in Studien angedeutet. Dann jedoch stellte sich heraus, dass bei einer weiteren Intensivierung der Insulintherapie der potenzielle Nutzen durch das Risiko schwerer Hypoglykämien zunichte gemacht wird – zumindest im normalen Setting auf einer Intensivstation scheint das so zu sein. Deshalb wurden dann die genannten Zielwerte definiert.

Auf jeden Fall aber eine Insulintherapie . . .

Prof. Meier: Ja, unbedingt. Die Insulintherapie wird intravenös begonnen. Später, wenn die Patienten stabil sind, kann man eventuell auf die subkutane Gabe umstellen. Orale Antidiabetika müssen bei einer Sepsis abgesetzt werden. Sie sind in dieser Situation nicht geeignet, den Stoffwechsel zu kontrollieren. Und manche Wirkstoffe – z.B. Metformin oder SGLT2-Hemmer – können zudem gefährliche Nebenwirkungen hervorrufen und so die Situation weiter komplizieren.

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