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Schulbeginn mit Diabetes: Erfahrungen teilen und GEWINNEN!

Für Kinder mit Diabetes Typ 1 ist der Schulbeginn häufig eine große Herausforderung. Schildern Sie uns Ihre persönlichen Erfahrungen und gewinnen Sie einen von zehn Libro-Gutscheinen.

Ein neues Schuljahr steht vor der Tür und für Erstklässler beginnt mit der Einschulung ein neuer Lebensabschnitt. Kinder mit Diabetes Typ 1 stellt der Schulbeginn häufig vor eine größere Herausforderung als Gleichaltrige mit gesundem Stoffwechsel. Eine zusätzliche Herausforderung ist die Corona-Situation - insbesondere mit einem Blick auf die sich auch in Österreich ausbreitende Delta-Variante. Das Bildungsministerium hat einen 4-Punkte-Plan (siehe ganz unten im Text) für einen sicheren Schulstart im Herbst erarbeitet, mit dem durch verschiedene Maßnahmen flexibel und regional auf unterschiedliche Situationen reagiert werden kann.

Mit dem Übergang vom Kindergarten in die Schule ändert sich für Erstklässler einiges: So gilt es zum Beispiel den neuen Schulweg zu meistern, Klassenkameraden kennenzulernen und sich mit den Lehrern sowie dem Lernstoff vertraut zu machen. Kinder mit Typ-1-Diabetes müssen zudem ihre Therapie auf den neuen Tagesablauf abstimmen, was bedeutet, eigenverantwortlicher mit ihrer Stoffwechselerkrankung umgehen. Viele Eltern unterstützen ihre Kinder während der Kindergartenzeit noch beim Bestimmen der Glukosewerte oder den Insulingaben. Mit dem Wechsel in die Schule geht das häufig organisatorisch nicht mehr ohne Weiteres.

Auch Lehrer und Betreuer von Kinder mit Diabetes Typ 1 sind oft überfordert. ”Am besten wäre es, wenn alle meine Lehrer und auch meine Mitschüler das Wichtigste über Diabetes wissen würden. Dann könnte ich wie jedes andere Kind unbesorgt die Schule besuchen”, wünscht sich die sechsjährige Anna.

Aktuell erkranken in Österreich jedes Jahr rund 250-300 Kinder und Jugendliche unter 15 Jahren an einem Diabetes Mellitus Typ 1, Tendenz stark steigend.

Bei Bekanntwerden der Tatsache „Kind mit Diabetes“ bricht oft genug Panik bei den Pädagogen aus: Das Kind misst sich sein Blut? Injiziert sich Insulin? Was mach ich nur, wenn es z.B. am Wandertag einen „Anfall“ hat, ohnmächtig wird? Oh Gott!

Um solche Panik-Attacken zu vermeiden, hat der Spezialist für jugendlichen Diabetes Professor Dr. Martin Borkenstein von der Universitätsklinik in Graz eine Liste mit Tipps für Lehrer und Betreuungspersonal von Kindern mit Diabetes zusammengestellt.

1. Diabetes mellitus - Was ist das?
Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) ist eine sehr häufige Stoffwechselerkrankung, die bereits im Kindesalter auftreten kann; etwa eines von 1.500 (oder anders gerechnet: jeden 3. Tag) erkrankt ein Kind oder Jugendlicher in Österreich vor dem 15. Lebensjahr am sogenannten „juvenilen Diabetes mellitus“. Diese Krankheit ist NICHT ansteckend.

Bei jugendlichem Diabetes mellitus ist die Fähigkeit der Bauchspeicheldrüse verloren gegangen, das lebenswichtige Hormon Insulin zu erzeugen. Das aber hat eine entscheidende Bedeutung für den Energiestoffwechsel (Zuckerstoffwechsel) des Körpers. Zucker ist einer der wichtigsten Energieträger des Menschen; er wird aus der Nahrung resorbiert, oder aus körpereigenen Reserven gewonnen und im Blut transportiert. Durch Nahrungsaufnahme wird er Blutzuckerspiegel angehoben, Insulin ermöglicht die Verwertung des Zuckers und senkt so den Blutzuckerspiegel.

2. Tägliche Injektion
Die Behandlung des Diabetes mellitus erfolgt entweder durch tägliche Injektionen von Insulin, meist früh und abends, bei vielen Kindern (besonders Kindern älter als 13 Jahre) auch durch mehrere Injektionen von Insulin am Tag, oder heute auch mit Insulinpumpen und/oder sogenannten Closed-Loop-Systemen, bei denen die Pumpe mit einem CGM „kooperiert“.

3. Therapierichtlinien
Bei Beachtung der vorgegebenen Therapierichtlinien sind Kinder mit Diabetes den Anforderungen der Schule ebenso gewachsen, wie ihre KlassenkameradInnen; sie dürfen und sollen an allen schulischen Aktivitäten teilnehmen.

4. Nahrungsaufnahme
Ungenügende oder verspätete Nahrungsaufnahme, sowie erhöhte körperliche Aktivität (Sport, Wanderungen, intensives Spiel = vermehrter Energiebedarf) können zu einem Absinken des Blutzuckerspiegels, einer Unterzuckerung (Hypoglycämie) führen. Anzeichen einer Unterzuckerung können sein: Schwitzen, Blässe, Zittern, Schwäche, Unruhe, Unaufmerksamkeit, Aggressivität, unklare Sprache und Schrift. Wichtig ist die Vermeidung dieses Zustandes durch Nahrungsaufnahme zu den vorgesehenen Zeiten (Diät), sowie durch zusätzliche Nahrungsaufnahme bei erhöhtem Bedarf (z.B. Sport).

5. Unterzuckerung
Bei ersten Anzeichen einer Unterzuckerung sollte das Kind (egal zu welcher Schulzeit!) etwas essen (z.B. Brot, Apfel, Banane, Traubenzucker). Eine Nichtbehandlung der Unterzuckerung kann zu Bewußtseinsverlust und Krämpfen führen. Konnten keine Anzeichen einer drohenden Unterzuckerung erkannt werden, und ist bereits eine Einschränkung des Bewußtseins eingetreten, muss rasch und effizient Hilfe erfolgen: wegen der Gefahr des Verschluckens keine fest oder flüssige Nahrung einflößen, sondern Traubenzucker zwischen Zähne und Wange drücken; Arzt verständigen. Die Injektion von Glucagon unter die Haut kann - bei ausreichender Information und durch den behandelnden Arzt und die Eltern – durch den Lehrer erfolgen.

6. Erhöhter Blutzucker
Durch zu reichliche Nahrungszufuhr, zu wenig Insulin, bei Stress und bei Erkrankungen, kann es zu stark erhöhtem Blutzucker kommen. Symptome dafür sind große Harnmengen, daraus resultierend viel Durst, weiters Müdigkeit, Mattigkeit und verringerte Leistungsfähigkeit. Beobachtungen solcher Art sind den Eltern oder dem Arzt möglichst rasch mitzuteilen.

7. Behandlung
Die Behandlung einer chronischen Erkrankung erfolgt nicht nur im Krankenhaus oder in der ärztlichen Praxis, sondern auch zu Hause, in der Schule. Die Mitarbeit aller betreuenden Personen ist nötig. Wissen über die Erkrankung, die möglichen Akutkomplikationen und deren Behandlung ist ebenso Grundvoraussetzung, wie Verständnis für das betroffene Kind oder den betroffenen Jugendlichen. Im Sinn der Gruppendynamik ist es sinnvoll auch Klassenkollegen des betroffenen Kindes zu involvieren.

Tipps für Eltern

Leider gibt es keine eindeutige Regelung dafür, wie Lehrer Kinder mit Diabetes in der Schule fachgerecht bei ihrer Behandlung unterstützen sollen. Immerhin: vor einigen Jahren ist auf Initiative von DIABETES AUSTRIA ein erweitertes Haftpflichtgesetz für Bundeslehrer in Kraft getreten, das die Pädagogen auch bei freiwillig übernommenen Tätigkeiten schützt.

Die meisten Eltern gute Erfahrungen gemacht, wenn sie das Gespräch gesucht haben und hilfsbereite, verständnisvolle Lehrer angetroffen. Ein paar nützliche Tipps:

  • Sprechen Sie mit dem Lehrer/der Lehrerin. Bereiten Sie das Gespräch gut vor und überlegen Sie, wo Ihr Kind wirklich die Hilfe seiner Lehrer braucht. Diese wenigen Dinge notieren Sie sich genau. Streichen Sie alle überflüssigen Informationen.
  • Erklären Sie nicht zu viele Einzelheiten der Diabetesbehandlung, das verunsichert eher als es nützt. Ein Lehrer muss nicht alle Korrekturfaktoren oder den Unterschied zwischen Basalrate und Mahlzeiteninsulin verstehen.
  • Versuchen Sie, übertriebenen Ängsten vor schweren Unterzuckerungen vorzubeugen. Sie sind mit den modernen Therapien wie der Pumpentherapie sehr, sehr selten geworden. Treten Sie hier selbstsicher und ruhig auf. Das überträgt sich auf die Einschätzung der Lehrer.
  • Bieten Sie an, jederzeit telefonisch erreichbar zu sein, wenn Ihr Kind in der Schule ist. Vielleicht ist es auch möglich, dass Ihr Kind schon ein Handy bekommt, mit dem es Sie erreichen kann.
  • Je sicherer Sie im Umgang mit dem Diabetes wirken, umso weniger werden Lehrer verunsichert. Manche Eltern, die sich noch nicht ganz so sicher fühlen, nehmen die Unterstützung der Diabetesberaterin ihrer Kinderklinik in Anspruch. Das wäre auch eine Möglichkeit.
  • Wenn Ihre Kinderklinik eine Schulung für Schulanfänger mit Diabetes anbietet, lassen Sie Ihr Kind auf jeden Fall mitmachen. Auch das gibt Ihnen und Ihrem Kind zusätzlich Sicherheit.
  • Eine Notfallbox für die Schule haben Kathy Dalinger und ihre Tochter selbst gebastelt - eine Fotostrecke, um die Box ganz einfach nachzubasteln, gibt es in der Blood Sugar Lounge

Die gute Nachricht: LehrerInnen dürfen helfen

Mit dem Bildungsreformgesetz 2017 wurde eine lange erwartete Änderung in das Schulunterrichtsgesetz (SchUG) aufgenommen. Bisher bedeutete jede medizinische Hilfestellung, die das Lehrpersonal bei Kindern durchführte, ein persönliches Haftungsrisiko, da es sich im rechtsfreien Raum bewegte. Durch die neue Regelung (§ 66b SchUG) wurde die medizinische Hilfestellung durch LehrerInnen definiert, womit diese Tätigkeiten nun unter die Diensthaftung fallen. „Die ÖDG hat diese Änderung seit Jahren gefordert, denn diese Regelung bringt für alle Lehrenden, die schon bisher chronisch kranke Kinder unterstützt haben, endlich Rechtssicherheit“, erklärt Assoz. Prof.in PD OÄ Dr.in Sabine Hofer, Kinderärztin und Leiterin der Diabetes-Ambulanz an der Medizinischen Universität Innsbruck. „Die notwendige Hilfestellung für Kinder mit Diabetes ist weiterhin auf freiwilliger Basis verankert. Jetzt geht es darum jenen PädagogInnen, die in ihrer Klasse ein Kind mit Diabetes haben, die Informationen und Ressourcen zu bieten, die notwendig sind, um diese Unterstützung kompetent durchzuführen. Dabei geht es nicht um komplexe Tätigkeiten, die nur von Fachpersonal zu bewältigen sind, sondern um kleine Erinnerungen, Rücksicht auf notwendige Blutzuckermessungen, die Supervision bei einfachen Rechenvorgängen der Insulinpumpe oder Basiswissen in Erster Hilfe und vor allem Verständnis für spezifische krankheitsbedingte Notwendigkeiten.“

Technik kann auch überfordern
Wir erleben vor allem bei Kindern eine Technisierung der Diabetes-Behandlung (Pumpe und Sensor). Das erleichtert zwar den Alltag, weil es dem Kind eine größere Flexibilität, zum Beispiel bei Sport, ermöglicht und es hilft Hemmungen bei Mitschülern und Pädagogen abzubauen, weil weniger Nadelstiche und blutige Messungen notwendig sind. Die Technisierung kann aber auch zu Überforderung führen, zum Beispiel bei jungen Kindern, wenn Daten im Zahlenraum 200 interpretiert werden müssen. Auch hier wird Hilfe von LehrerInnen benötigt.

Inklusion verbessert die physische und psychische Verfassung

Ein zentraler Aspekt ist die Inklusion von Kindern mit Diabetes in der Schule. Wenn ein Kind zum Beispiel zum Insulinspritzen von der Lehrerin aus der Klasse geschickt wird, kann es sich dadurch aus der Gruppe ausgeschlossen fühlen. Ob eine Messung oder Medikamentengabe im Klassenzimmer stattfindet, oder das Kind sich wohler fühlt, das in einem intimeren Rahmen durchzuführen, sollte Entscheidung des Kindes sein. An Schulen, wo Kindern mit Typ-1-Diabetes dieser Raum gegeben wird, ist deren psychische und physische Verfassung besser, als an Schulen, wo diese Form der Inklusion nicht stattfindet.

Ein neuer Schulstart muss weder für Eltern noch für Kinder mit Diabetes stressig sein. Mit ein wenig Vorbereitung und viel Kommunikation kann Ihr Kind das ganze Jahr über seinen Diabetes managen und sicher sein.

Corona- Situation Schulbeginn im Schuljahr 2021/22

Das Bildungsministerium hat einen 4-Punkte-Plan für einen sicheren Schulstart im Herbst erarbeitet, mit dem durch verschiedene Maßnahmen flexibel und regional auf unterschiedliche Situationen reagiert werden kann.

Sichere Schule im Herbst – der 4-Punkte-Plan des BMBWF

Die Corona-Situation bleibt – insbesondere mit einem Blick auf die sich auch in Österreich ausbreitende Delta-Variante – volatil. Das Bildungsministerium hat einen 4-Punkte-Plan für einen sicheren Schulstart im Herbst erarbeitet, mit dem durch verschiedene Maßnahmen flexibel und regional auf unterschiedliche Situationen reagiert werden kann.

Die vier zentralen Maßnahmen für einen sicheren Schulstart im Herbst sind:

  • Frühwarnsystem für Schulen und elementarpädagogische Einrichtungen
  • Regelmäßige PCR- und Antigen-Tests an allen Schulen
  • Impfangebot an der Schule durch Impfbusse
  • Effiziente Raumluftreiniger im Schulbereich – dort wo Luftaustausch über Fenster nicht möglich ist

e-learning tool unterstützt Pädagog*innen

Für Lehrpersonen wurde ein e-learning tool erarbeitet, um die wichtigsten Informationen und Kenntnisse rund um das Kind mit Diabetes zu vermitteln. Dieser 3 wöchige online Fortbildungskurs ist von der ÖDG und der PH Salzburg zertifiziert und vermittelt neben Grundkenntnissen rund um die Erkrankung Typ 1 Diabetes gute und praktische Tipps im alltäglichen Umgang mit Kindern mit Diabetes in einer Schulklasse. Diese Fortbildung zu absolvieren, ermöglicht es Lehrpersonen Kinder mit Diabetes in die Klassengemeinschaft zu inkludieren und vermittelt Sicherheit - für Eltern, Kinder und für die Lehrpersonen. Ängste und Unsicherheiten im Umgang mit Kindern die Insulin spritzen müssen und Glukosemessungen durchführen müssen, werden abgebaut.

Lehrpersonen können sich unter folgendem Link über das E-Learningangebot informieren: https://www.ph-online.ac.at/phsalzburg/wbLv.wbShowLVDetail?pStpSpNr=216380&pSpracheNr=1

Was haben Sie oder Ihr Kind beim Schulbeginn erlebt?

Gewinnen Sie einen von zehn Libro-Gutscheinen im Wert von 30 Euro!

Gute Erfahrungen oder Probleme? Mit der Schule oder einzelnen Lehrern? Schildern Sie uns in einem kurzen Bericht Ihre persönlichen Erfahrungen (Namen werden anonymisiert) und gewinnen Sie mit etwas Glück zum Schulbeginn einen von zehn Libro-Gutscheinen. Ihr Mail unter dem Betreff „Schulbeginn“ an office(at)diabetes-austria.com

Der Rechtsweg ist ausgeschlossen, die Gutscheine können nicht in bar abgelöst werden. Korrespondenz ist keine möglich. Die Gewinner werden von uns verständigt.

Die ersten Berichte sind schon eingetroffen!

 

Hier meine kleine Geschichte zum Thema " Diabetes und Schule"...

Ich habe meinen Diabetes mit 10 Jahren bekommen, als ich dann ins Gymnasium ging, wollte meine Mutter, dass die Lehrer und Schüler auch ein wenig Bescheid wissen was Diabetes ist und was passieren kann wenn der Zucker mal nicht so gut läuft.

Ich war zum damaligen Zeitpunkt im LKH Mödling auf der Kinderdiabetesambulanz in Behandlung, in Absprach mit meiner Ärztin, nahm sich die sogenannte "Diabeteskrankenschwester" Maria Zeit, mich einen Vormittag in der Schule zu besuchen und erklärt meinen Schulkollegen was ich denn für eine Krankheit habe und welche Auswirkungen sie haben kann. Auch einige Lehrer hörten interessiert zu.

Maria erklärt sehr ausführlich warum ich mir Insulin spritzen muss und auch was zu tun wäre, wenn ich einen Hypo bekomme bzw. woran man das erkennen kann und wie sich ein Diabetiker dabei fühlt. Die Kinder und auch die Lehrer stellten viele Fragen und interessierten sich sehr dafür, das hätte ich gar nicht erwartet.

Dadurch wurde mir auch ein wenig die Angst genommen, in der Klasse, vor anderen Blutzucker zu messen und mein Insulin zu spritzen, für meine Schulkollegen war es ganz normal, dass ich in der Klasse spritzen musste, keiner hatte sich jemals lustig gemacht oder dumme Sprüche geschoben.

Alles Liebe und liebe Grüße Sabrina

 

Liebes Team von Diabetes Austria,

ich heiße Daniel, bin 18 Jahre alt und habe seit meinem 8 Lebensjahr Typ 1 Diabetes. Im Laufe meiner Schulzeit im Bundesgymnasium Babenbergerring in Wiener Neustadt, bin ich damit jedoch auf viele Hürden gestoßen und musste unter anderem auch die Erfahrung machen, wie es sich anfühlt, wegen meiner Krankheit diskriminiert zu werden.
Während der Zeit in der Unterstufe lief großteils zunächst alles reibungslos ab. Ich habe immer meine Leistungen erbracht und konnte alle Aufgaben und Prüfungen erfolgreich absolvieren, solange mein Gesundheitszustand ernst genommen wurde und ich alle Maßnahmen, die für meinen Zucker notwendig waren, erledigen konnte.
Zu Beginn der Oberstufe ereigneten sich jedoch die ersten Schwierigkeiten. Die Lehrer wechselten und ich habe gemerkt, wie sich einige von diesen misstrauisch gegenüber mir und meiner Zuckerkrankheit verhielten. Da ich dieses Benehmen nicht nachvollziehen konnte, war es mir wichtig, diese über meinen Diabetes so gut es geht aufzuklären, um eine reibungslose Zusammenarbeit zu schaffen. Meine Mutter, die Schulärztin und ich waren daher ständig engagiert mit ihnen darüber zu reden, das notwendige Wissen mitzugeben und jederzeit für Fragen offen zu stehen.
Doch all unser Handeln half bei einigen von ihnen nichts. Mir wurde vorgeworfen, die Schule sei nicht die richtige für mich, ich würde die Matura sowieso nie schaffen, ich würde mit meiner Krankheit spielen und ich hätte eine Fresssucht, da ich bei niedrigem Zuckerspiegel öfters etwas essen musste. All diese Unterstellungen erfolgten jedoch nicht aufgrund meiner schulischen Leistungen, sondern nur, weil es diesen Lehrern nicht recht war, dass ich Diabetes hatte. Es interessierte sie kaum welche psychischen Belastungen man als Mensch mit Diabetes mit sich tragen muss. Sie sahen nur die störende Krankheit, anstatt mich als Mensch und Schüler im Vordergrund. 

Selbst als meine Mutter einer Lehrerin eine Infobroschüre geben wollte, lehnte sie diese ab und meinte, sie hätte keine Zeit, Medizin zu studieren. 

Solange ihr das Bildungsministerium nichts anderes verordnen würde, würde sie auf meine Krankheit auch keine Rücksicht nehmen.
Solche Vorfälle brachten mich zum Verzweifeln. Sie gaben mir das Gefühl, dass ich mit meiner Krankheit Probleme bereiten würde, obwohl ich diese selbst niemals haben wollte. Geschehnissen wie diese häuften sich und mein mentaler Gesundheitszustand verschlechterte sich massiv. Obwohl es auch Lehrpersonal gab, wo im Bezug mit Diabetes der Großteil gut funktioniert hatte, gab es gewissen Personen, die nur Unverständnis und Empathielosigkeit zeigten. Ich wurde mehrmalig zu Gesprächen gerufen und aufgefordert, selbst wenn es mir schlecht geht, anwesend zu sein, egal was meine Eltern dazu meinen würden. Sogar als mich einmal ein Freund bei einem starken Hypo für kurze Zeit zum Buffet begleitet hatte, da mein Traubenzuckervorrat schon ausgegangen war, bekam ich Ärger von meinem Klassenvorstand. Er meinte, ich würde mich unten prächtig amüsieren und die ganze Stunde nur ausnutzen, um mit Freunden nicht im Unterricht sein zu müssen. Anschließend untersagte er sogar der Klasse, in Zukunft, wenn es mir schlecht  geht, mich begleiten oder mir helfen zu dürfen. Denn ich müsse selber damit klarkommen.

Ich hatte außerdem das Gefühl ständig unter Beobachtung zu sein und selbst, als ich bei einem Ausflug eine Kugel Eis und ein Red Bull light trank, wurde mir am nächsten Tag vorgeworfen, ich sei an meiner Krankheit selber schuld, wenn ich tonnenweise Eis esse und haufenweise Red Bull trinke. Wegen dem psychischen Druck war mittlerweile auch mein Zucker so schlecht, dass ich ins Krankenhaus musste und von einem Arzt im Nachhinein auch Depressionen diagnostiziert wurden.
Letztendlich wollten wir eine vernünftige Lösung finden, um das Jahr ohne unnötigen Druck oder beleidigenden Vorwürfen abschließen zu können. Es kam aber wiederum das Gegenteil auf mich zu und ich wurde mit unmenschlich vielen Zusatzaufgaben genötigt. Zum Schluss waren einige Lehrer nicht bereit, mich in ihren Fächern zu beurteilen, obwohl ich das meiste oder sogar alles erledigt hatte und im Halbjahr überall positiv benotet war. Darauf erlitt ich einen Nervenzusammenbruch und war an einem Punkt angelangt, wo ich gemerkt habe, wie sehr mir diese rücksichtslosen Lehrkräfte geschadet haben. Ich wollte nicht weiter zulassen, so niedergemacht und diskriminiert zu werden.

Seitdem versuche ich schon seit 2 Jahren zu meinem Recht zu kommen und arbeite unter anderem auch mit dem Journalisten Peter Hopfinger, der selbst Diabetes hat, zusammen, um in diesem Bereich für Aufklärung zu sorgen und Probleme wie meine an die Öffentlichkeit zu bringen.

 

Liebes Diabetes Austria Team,

zum Zeitpunkt meiner Diagnose startete gerade die vierte Klasse Volksschule. Es war, wie könnte es auch anders sein, ein großer Schock für alle Beteiligten. Laut Erzählungen meiner Mutter wusste man erst nicht so recht, wie man damit umgehen soll. Musste ich ein Jahr wiederholen? Wie wird die Schule reagieren? Brauche ich Unterstützung oder schaffe ich das alles? Zum Glück hatte ich die großartigste Volksschullehrerin aller Zeiten, die mich wöchentlich im Krankenhaus besuchen kam (aufgrund weiterer Diagnosen war ich 4 Wochen), mir Unterrichtsmaterialien brachte und mir die wichtigsten Dinge erklärte. Wieder zurück in der Schule bekam ich von allen Seiten unheimlich viel Unterstützung, im Hort bekam ich eigene Salatmarinaden, Essenspläne wurden vorab an meine Eltern gesandt, damit die BEs ausgerechnet werden konnten, im Hort wurde dann alles für mich abgewogen. An dieser Stelle ein großes Shout-out an die VS Laxenburg, die mir trotz der Diagnose alle Möglichkeiten bot und mir einen normalen Schulalltag ermöglichte.

Ich weiß, es ist nicht die Geschichte meines allerersten Schultages. Aber es ist die Geschichte meines 1. Schultages als Kind mit Diabetes.

Da ich mittlerweile selbst Volksschullehrerin bin (so wollte ich auch sein!) würde ich mich wirklich sehr über den Libro Gutschein freuen!

Viele liebe Grüße, Valentina

 

Vor 44 Jahren Schulbeginn als diabetisches Kind – in 2 Wochen Schulbeginn als diabetische Lehrkraft

Dritte Klasse Volksschule vor 44 Jahren – Klosterschule – 36 Kinder in der Klasse und dann dieser Sonderling mit Diabetes: Zuckerkrank!!! Zuviele Zuckerln  g`essen! Wieso muss die 3 Mal in der Schule essen? Was?- die spritzt? Naja, mit der spiel ma nicht, die ist nicht so……. . Die will sich ja nur „wichtig machen“!

Die Inkompetenz der anderen

Das war eigentlich mein Hauptproblem. Die soziale Inkompetenz! Das Ausgeschlossen sein! Nicht Teil der Klassengemeinschaft zu sein! Die Behandlung meines Diabetes war, so gut es damals ging, okay. Was da hieß: Morgens noch eine halbe Stunde früher aufstehen, denn solange benötigte ich um das Schweineinsulin mit der altmodischen, langen, dicken Nadel an der Spritze in meine Oberschenkel zu rammen. (Damals waren meine Oberschenkel noch sehr zart.) Die Jause für 10.00 Uhr, 11.00 Uhr und das Mittagessen für 13.00 Uhr richtig in die Schultasche zu verfrachten neben den üppig vielen Schulbüchern war ebenfalls eine Herausforderung, die mit der Schule schwieriger wurde.

Gefühle nicht erlaubt

Erst im Nachhinein muss ich sagen, dass mit jedem Schulbeginn sehr wohl diabetisch noch viel mehr zu bedenken gewesen wäre. Doch gab es keine Blutzuckermessungen und komische Gefühle waren zu ertragen. Da durfte man nicht alle Gefühle mit dem Diabetes in Zusammenhang bringen: Zorn, Müdigkeit, Durst, Verwirrtheit….. Man nahm diese einfach zur Kenntnis.

Heute Schule

Jeder, der sich auch nur kurz mit Diabetes beschäftigt hat oder ihn selbst hatt, weiß, dass Stress etwas mit den Blutzuckerwerten macht. Das ist individuell herauszufinden. Bei mir steigt der Insulinbedarf am Schulbeginn locker um 20% insgesamt. Die Schwankungsbandbreite schlägt mehr aus - in beide Richtungen - und den Biorhythmus mit dem Diabetes muss ich jedes Jahr auf´s Neue herausfinden. Oktober und November sind dann wieder diabetisch ganz gute Monate, denn da gibt es wieder eingeübte Rituale und ich selbst hab mich dann auch wieder angepasst und justiert. Was nicht heißt, dass alles perfekt ist, aber es läuft weniger wild ab.

Großer Unterschied

Da ich die Pumpe für aufregende Stunden auch mit der Basalrate höherstellen kann, muss ich nicht, wie früher, einen Tag vorher schlimme Ereignisse vorausplanen. Die flexible Gewebszuckermessung mit dem Handy gibt mir ständig über meine getroffenen medizinischen Entscheidungen Bescheid. Das heißt, ich kann meine Gefühle mit den vielen Zuckermessungen zuordnen: z.B. zornig, wegen zu hohem Blutzuckerwert oder wegen einer wirklich unangemessenen Aussage.

Was bei beiden Schulbeginnen sicher ist: Es ist wieder eine aufregende Zeit – für Kinder und Lehrer. Diejenigen mit Diabetes können und müssen es besser wissen und genauer darauf reagieren.

Betti B., Wien