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Internationale Studie: Gespräche mit adipösen Jugendlichen erfordern Empathie

Falsche Vorstellungen und Ignoranz stehen oft einer Adipositas-Therapie entgegen, so eine neue Studie. Auch sind viele Ärzte schlecht auf adipöse Patienten vorbereitet.

(Mainz, 20.6.2022) Das Leben von Jugendlichen mit Adipositas gleicht häufig einem Spießrutenlauf: Sie werden gehänselt, gemobbt und stigmatisiert. Viele Mitmenschen sehen die Krankheit als Charakterschwäche und bei der Gesundheitsversorgung wird das Thema häufig ignoriert.

Das ist fatal: Adipositas kann die Gesundheit für ein ganzes Leben ruinieren. Die Folgen reichen von psychischen Problemen über Herzkrankheiten und Fettleber bis zu Typ-2-Diabetes, mehreren Krebsarten und Gelenkproblemen.

Studie mit über 12.000 Betroffenen, Eltern und Therapeuten

Welche Vorstellungen und Hemmnisse einer Adipositas-Therapie entgegenstehen, wurde in der „ACTION teens“-Studie untersucht. Die Ergebnisse sind beim European Congress on Obesity (ECO) in Maastricht (Niederlande) vorgestellt worden.

Für die von Novo Nordisk unterstützte Studie wurden weltweit in zehn Ländern Daten von über 5000 Heranwachsenden (12–17 Jahre) erhoben, ebenso von 5000 Eltern oder Betreuern sowie 2000 medizinischen Fachkräften (in Europa waren Italien, Spanien, UK beteiligt). Ergebnisse:

  • Vielen Eltern fällt es schwer, Adipositas beim Nachwuchs überhaupt zu erkennen. Fast die Hälfte hofft, dass die Jugendlichen einfach aus der Krankheit herauswachsen. Die Erfahrung zeigt aber, dass aus adipösen Jugendlichen in den allermeisten Fällen auch adipöse Erwachsene werden.
  • Heranwachsende wähnen sich oft nicht krank, jede(r) Dritte hat Hemmungen, mit Eltern darüber zu sprechen. 70 Prozent glauben, allein für Abnehmen verantwortlich zu sein.
  • Viele Ärzte sind für die Betreuung von Adipositas-Patienten schlecht vorbereitet. 87 Prozent gaben an, nach dem Studium keine nennenswerte Aus- oder Fortbildung zu Adipositas erhalten zu haben.

Ärzte sollten adipösen Jugendlichen Hilfe anbieten und dabei nicht „so harsch“ sein, betonte eine Betroffene in einem Webinar zu der Studie. Schon das Gefühl, nicht selbst schuld am Übergewicht zu sein und Unterstützung beim Abnehmen bekommen zu können, helfe weiter.

Quelle: https://www.aerztezeitung.de/