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Insulinpumpen - Grazer Forscher erhält dänische Auszeichnung

Graz/Kopenhagen (APA) - Typ-1-Diabetiker müssen ihre Blutzuckerwerte ständig im Auge behalten und Insulin spritzen.

Insulinpumpen können ihr Leben erleichtern, die Katheter müssen aber nach maximal drei Tagen gewechselt werden. Grazer Forscher haben einen Weg gefunden, wie man den Zeitraum auf eine Woche verlängern könnte. Die dänische Stiftung "Novo Nordisk Foundation" würdigt Thomas Pieber und sein Team von der Med-Uni Graz dafür mit einem mit 270.000 Euro dotierten Preis.

Der Grazer Leiter der Grazer Uniklinik für Innere Medizin, Thomas Pieber, forscht seit drei Jahrzehnten an neuen Wegen um Menschen, die an Diabetes erkrankt sind zu helfen. "Schlicht gesagt, wollen wir die Insulinpumpentherapie verbessern", brachte es Pieber gegenüber der APA auf den Punkt. Für seine bisherigen Leistungen und als Auszeichnung für ein neues Patent zum Insulinmanagement wurde er und sein Team an der Grazer Uniklinik für Innere Medizin mit dem neuen Preis für Präzisionsmedizin - Precision Diabetes Medicine Award - der Novo Nordisk Foundation bedacht.

Intervall zwischen Katheterwechseln verlängern

“Für viele Menschen mit Typ-1-Diabetes ist die Insulinpumpe ein fester Bestandteil ihres täglichen Lebens, der den Blutzucker durch die Verabreichung von Insulin im Gleichgewicht hält", beschrieb der Experte. Allerdings sind bei diesen Systemen - die mittels Sensoren permanent den Blutzucker messen und bei Bedarf die erforderliche Menge an Insulin zuführen - Katheter erforderlich, um die Insulinpumpe mit dem Körper zu verbinden. Aktuell werden sie alle zwei bis drei Tage ausgetauscht: "Das ist lästig und teils auch unangenehm für die Patienten und zudem kostspielig", sagte der Grazer Mediziner. Sein Ziel war es daher, einen Weg zu finden, um den Intervall zu verlängern.

Gelungen ist ihm das durch die Messung des Gewebewiderstands an der Katheterstelle gegenüber einer Insulininfusion: "Es gibt eine Wechselwirkung des Gewebes mit dem Insulin, der bisher zu wenig Beachtung gefunden hat, der aber interessant ist: Der Gewebewiderstand hängt mit der Höhe der Insulinaufnahme zusammen", erklärte Pieber. In ersten Versuchen konnte er bereits zeigen, dass unter Berücksichtigung dieses Aspekts der Katheterwechsel oft auf sieben Tage oder mehr verlängert werden kann.

Die Entdeckung wurde von den Forschern bereits patentiert. Darauf aufbauend wird nun mit Unterstützung des Awards eine klinische Studie durchgeführt, die diese Technologie und damit eine neuartige Insulinpumpe vorantreiben soll: "Die neue Pumpe misst den Blutzucker und verabreicht Insulin - und sie bewertet auch, wie resistent das Gewebe gegen die Insulininfusion ist. Auf diese Weise signalisiert die Pumpe also, wann der Katheter ausgetauscht werden muss", wie Pieber ausführte.

Nun will man das Prinzip erstmals in einer klinischen Studie mit bis zu 30 Teilnehmern erproben. Der aktuelle Award sei wichtig, "weil wir damit untersuchen und validieren können, wie die Pumpe in Zukunft kalibriert werden soll", schloss Pieber. Der Preis wird im Rahmen des "Future of Precision Medicine Symposium" in Kopenhagen verliehen.

APA0000    2021-11-19/09:22