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Infarktrisiko ist schon bei Prädiabetes erhöht

Bei gestörter Glukosetoleranz ist das Risiko für kardiovaskuläre Komplikationen erhöht. Das zeigt eine Analyse aus den USA.

(2.6.2021) - Bereits ein Prädiabetes sollte aus kardiologischer Sicht erst genommen werden: Das Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse steigt offenbar bereits bei einer Glukoseintoleranz deutlich an, wurde beim Kongress des „American College of Cardiology“ (ACC) berichtet.

„Anstatt den Diabetes zu verhindern, sollten wir den Fokus verschieben und den Prädiabetes verhindern“, betont Dr. Adrian Michel vom Beaumont Hospital-Royal Oak im US-Staat Michigan in einer ACC-Mitteilung.

Forscher um den Internisten haben in dem Staat retrospektiv Registerdaten aus den Jahren 2006 bis 2020 analysiert. 25.829 Patienten der Klinik wurden anhand zweier HbA1c-Werte im Abstand von fünf Jahren in solche mit oder ohne Prädiabetes unterteilt. Die Diabetesvorstufe war nach ADA-Kriterien definiert: entweder als HbA1c von 5,7 bis 6,4 Prozent oder Nüchternblutzucker 100–125 mg/dl oder Glukosewerte von 140–199 mg/dl in einem oralen Glukosetoleranztest.

Plädoyer für mehr Aufklärung

Ergebnis: 18 Prozent der Prädiabetiker bekamen binnen fünf Jahren ein schweres kardiovaskuläres Ereignis wie Herzinfarkt oder Schlaganfall. In der Kontrollgruppe waren es 11 Prozent. Der Unterschied war auch nach Bereinigung von Störfaktoren signifikant, so das ACC.

„Auf Basis unserer Daten zeigt sich, dass das Vorliegen eines Prädiabetes das Risiko für schwere kardiovaskuläre Komplikationen fast verdoppelt“, so Michel. Der Internist appelliert an Ärzte, Patienten verstärkt über die Risiken erhöhter Blutzuckerwerte aufzuklären.

Besorgniserregend war zudem der Befund, dass Prädiabetiker, die im Verlauf ihren Blutzucker normalisieren konnten, weiter ein erhöhtes kardiovaskuläres Risiko hatten. Gut 10 Prozent von ihnen erlitten ein kardiales Ereignis, in der Kontrollgruppe ohne Prädiabetes waren es nur 6 Prozent. Michel schließt daraus, dass es am besten ist, einen Prädiabetes gar nicht erst entstehen zu lassen.

Die retrospektive Analyse ist allerdings von begrenzter Aussagekraft. Dass Prädiabetes kausal das kardiovaskuläre Risiko erhöht, lässt sich damit nicht beweisen.

Quelle: https://www.aerztezeitung.de/