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Individualisierte Therapie: Präzisionsmedizin in der Diabetologie

In der Erforschung, Prävention und Behandlung von Diabetes zeichnet sich eine zunehmende Individualisierung und Personalisierung ab. Auf dem 55. Diabetes Kongress diskutierten Forschende ihre neusten Erkenntnisse zu Genetik, Epigenetik, Biomarkern und Klinik.

(2.6.2021) - Mit Daten aus vielen verschiedenen Quellen wird versucht, den Diabetes mellitus selbst, aber auch die chronisch erkrankten Patienten so präzise wie möglich zu beschreiben, um ihnen die beste Therapie zukommen zu lassen. Schritt 1 auf dem Weg dorthin ist es, immer besser zu verstehen, wie sich die Stoffwechselstörung entwickelt. „Vieles davon passiert im Gehirn, von dem wir sagen können, dass es bei der Entstehung eines Diabetes eine Rolle spielt“, erklärte der Präsident des diesjährigen Dia­betes Kongresses, Professor Dr. Dr. Hendrik­ Lehnert­ von der Universität Salzburg.

In den letzten 25 Jahren sei man diesem Zusammenhang ein großes Stück näher gekommen. So könne man heute z.B. die Kommunikation zwischen ZNS, Appetit und Nahrungsaufnahme sehr gut nachvollziehen und damit die pathophysiologischen Prozesse der Adipositas genauer beschreiben. „Wir gehen davon aus, dass auch im zentralen Nervensystem die Ausbildung von Resistenzen gegenüber Hormonen, die vor allem eine anorexigene Wirkung haben, also die Nahrungsaufnahme verhindern, von entscheidender Bedeutung ist“, führte Prof. Lehnert aus.

Die Rolle von Resistenzen gegen sättigende Hormone

Neben Insulin sei hier das Fettgewebshormon Leptin zu nennen. Bei übergewichtigen Menschen kommt es häufig zu einer Mehrsekretion des Hormons, der sogenannten Hyperleptinämie. Analog zur Insulinresistenz führt die Resistenz gegenüber Leptin im Hypothalamus bzw. an der Blut-Hirn-Schranke dazu, dass es seine sättigende Wirkung verliert, ein entscheidender Faktor für die Entwicklung eines metabolischen Syndroms.

Für die individualisierte Therapie von Adipositas und Typ-2-Diabetes sind diese Erkenntnisse besonders spannend, so Prof. Lehnert. Denn sie erlauben z.B. die Frage, wie sich durch eine gezielte Erhöhung von anorexigenen Hormonen im Gehirn die Nahrungsaufnahme beeinflussen lässt. „Die intranasale Gabe ist sicher ein Weg, aber noch nicht ausreichend über einen langen Zeitraum untersucht worden.“

Auchepigenetische Faktoren werden zunehmen bei der Entstehung von Diabetes und Übergewicht untersucht. Bekannt ist, dass man ein bis zu 50%iges Erkrankungsrisiko „in die Wiege gelegt“ bekommt. Dies bedeute jedoch nicht, dass man diesem vermeintlichen Schicksal schutzlos ausgeliefert ist, machte Professor Dr. Henriette­ Kirchner­, Humangenetikerin an der Universität Lübeck, Hoffnung. Durch ihre Arbeit zur Epigenetik der Adipositas weiß sie, dass „die Veränderungen einer fett- und zuckerhaltigen Ernährung durchviel Bewegung, gesunde Ernährung undGewichtsreduktion wieder rückgängig gemacht werden können.“

Quelle: Pressekonferenz Diabetes Kongress 2021