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Herzklopfen und Zuckermessen – Liebe und Sex mit Diabetes

Die Welt erneuert sich im Frühling. Auch Menschen werden von Frühlingsgefühlen in lustvolle Wonne versetzt. Intimität und Sexualität spielen eine wichtige Rolle – natürlich auch im Leben von Diabetikern. Wie Sie so manch „süßes“ Erotik-Problem lösen können, erfahren Sie hier.

Mit der Insulinpumpe im Bett

Das Thema ist natürlich viel zu individuell, als dass dafür allgemein gültige Antworten gefunden werden könnten. In einer festen Partnerschaft sollte die Erkrankung als Teil des Menschen mit Diabetes untrennbar zu der gemeinsamen Beziehung gehören, das heißt die Beteiligten sollten partnerschaftlich das Thema diskutieren, Ängste, Unsicherheiten ansprechen und gemeinsam nach Lösungen suchen. 

Schon jetzt zeigen Erfahrungsberichte, dass das Abkoppeln der Pumpe, ebenso wie das Überstreifen eines Kondoms, von den betroffenen Paaren mit in das Vorspiel einbezogen werden kann. Paare berichten, dass sie sich dadurch nicht in irgendeiner Weise belastet fühlen oder weniger Freude an der Sexualität haben. Mit einem abkoppelbaren Katheter kann die Pumpe mit einem einzigen Handgriff in Sekundenschnelle abgelegt werden. Das Legen einer neuen Nadel ist dann „danach“ auch nicht erforderlich. 

Es muss aber nicht abgekoppelt werden. Die Insulinpumpe selbst kann auch an der „langen Leine“ an einer beliebigen Stelle im Bett platziert werden, wo sie als nicht störend empfunden wird. Anders sieht es natürlich bei der ersten gemeinsamen Nacht oder einem „One Night Stand“ aus. 

Wer in solchen Situationen auf die Insulinpumpentherapie verzichten möchte, kann zur Nacht die Menge an Verzögerungsinsulin spritzen, die der Menge an Basalrate entspricht, die in der Insulinpumpe zwischen 22.00 - 08.00 Uhr eingestellt ist. Diese errechnete Menge an Verzögerungsinsulin sollte dann aber je nach Alkoholkonsum und geplanter körperlicher Aktivität um den entsprechenden Prozentsatz reduziert werden. 

Natürlich kann die Pumpe auch kurzfristig abgelegt werden, dann empfiehlt es sich, den entsprechenden Zeitraum beim Wiederanlegen der Pumpe mit einem Bolus zu korrigieren, falls ein erhöhter Blutzuckerwert dies erforderlich macht.

Ganz entscheidend ist, dass diese Korrektur mit einem Bolus niemals vor dem Ablegen der Insulinpumpe durchgeführt wird, da sonst noch aktive Basalrate und Boluswirkung zusammentreffen würden und das Risiko für eine Hypoglykämie potenzieren würden, da alle Veränderungen der Basalrate erst mit einer zeitlichen Verzögerung von 1-2 Stunden wirken. Am besten Sie besprechen Ihre individuelle Anpassung direkt mit Ihrem Arzt.

Lustvoll zum Höhepunkt

"Orgasmus-Störung" heißt: Frauen erreichen beim Sex erst nach längerer Zeit einen Höhepunkt – oder gar nicht. Bei älteren Frauen können die Wechseljahre und der Diabetes den Orgasmus verzögern. Scheidentrockenheit ist eine häufige Begleiterscheinung der Wechseljahre und erklärt sich aus dem natürlichen Rückgang der Hormonproduktion. Ty­p­i­sche Symptome: Juckreiz, Brennen oder auch Schmerzen beim Sex. Helfen können Hormonpräparate in Form von Zäpfchen oder Cremes, die der Arzt verschreibt.

Auch Pilzinfektionen können schuld sein, wenn Geschlechtsverkehr wehtut. Bei Diabetes kommen sie häufiger vor. Vermehrter Ausfluss, Jucken und Brennen der Scheide sind mögliche Symptome. Den Pilz kann der Arzt in einem Abstrich der Schleimhaut unter dem Mikroskop erkennen. Mithilfe von Medikamenten klingt die Infektion rasch ab.

Und auch Diabetes kann eine Rolle spielen. Denn hohe Zuckerwerte beeinträchtigen auf Dauer die Durchblutung der Schleimhaut. Die Scheide muss aber gut durchblutet sein, damit sie beim Geschlechtsverkehr feuchter wird. Abhilfe schaffen Gleitmittel aus der Apotheke – und Geduld. Frauen benötigen oft einfach mehr Zeit für guten Sex – und eine entspannte Atmosphäre.

Potenzprobleme: Oft stecken Krankheiten dahinter

Erektionsstörungen haben in vier von fünf Fällen körperliche Ursachen: in ers­ter Linie Gefäßverkalkungen und Dia­betes. Durchblutungsstörungen und dia­betesgeschädigte Nerven verhindern, dass sich die Schwellkörper des Penis mit Blut füllen. Abhilfe schaffen meist die sogenannten PDE-5-Hemmer. Bis zu 80 Prozent der Männer mit Diabetes lassen sich damit erfolgreich behandeln, sagen Diabetologen. Die volle Wirkung der Tabletten entfaltet sich übrigens erst nach sechs- bis achtmaliger Einnahme, da die Schwellkörper ein gewisses "Training" brauchen, bis sie sich wieder ausreichend dehnen können.

Wichtig: Erektionsprobleme weisen häufig auf verengte Gefäße auch anderswo im Körper hin, zum Beispiel am Herzen – ein Warnzeichen, das man unbedingt ernst nehmen sollte. Und: Für Männer mit verengten Herzkranzgefäßen sind PDE-5-Hemmer möglicherweise nicht geeignet; das muss der Arzt entscheiden.

Hilfsmittel bei Erektionsstörungen

Männer, die PDE-5-Hemmer nicht einnehmen dürfen oder bei denen sie nicht wirken, können ihre Erektions­fähigkeit auf andere Weise verbessern. Eine Lösung ist die Schwellkörper-Autoinjektions­therapie (SKAT). Dazu spritzt sich der Mann eine gefäßerweiternde Substanz in den Schwellkörper. Ein Piks, der genauso wenig wehtut wie der Einstich mit einem Insulinpen am Bauch. Die Spritze gibt man sich etwa zehn Minuten vor dem Sex, ohne dass es die Partnerin sehen muss.

Eine weitere Möglichkeit ist die Vakuumpumpe: Ein Kunststoffzylinder wird über den Penis gestülpt. Mithilfe einer kleinen Pumpe erzeugt man im Zylinder Unterdruck, sodass Blut in die Schwellkörper fließt. Damit die Erektion bestehen bleibt, wird ein Stauring auf den Penis gestreift. Eine Prozedur, die sich nicht vor der Partnerin verbergen lässt. Deshalb ist die Vakuumpumpe eher etwas für Paare, die sich lange und gut kennen.

Unterzucker beim Sex?

Normale sexuelle Aktivität ist keine sportliche Höchstleistung und dauert auch nicht stundenlang. Beim Sex in den Unterzucker zu rutschen ist daher sehr unwahrscheinlich. Das könnte allenfalls passieren, wenn man eine beginnende Unterzuckerung hat und sie nicht bemerkt. Die Anstrengung beim Sex wird aber häufig überbewertet.

Probleme ansprechen

„Laut Studien leiden sowohl männliche als auch weibliche Diabetiker doppelt so häufig an sexuellen Störungen wie gesunde Menschen“, sagt Univ.-Prof. Dr. Alexandra Kautzky-Willer, Endokrinologin an der MedUni Wien und Präsidentin der Österreichischen Diabetesgesellschaft (ÖDG). „Die Patienten bringen das Thema beim Arzt meist erst auf, wenn der Druck sehr groß ist und im Bett nichts mehr läuft“, erzählt Kautzky-Willer. „Wichtig wäre ein jährliches Screening mit festgelegten Fragen. Viele Betroffene würden laut Studien auch gerne vom Mediziner direkt darauf angesprochen werden.“

Zur Vorbeugung ist eine korrekte Blutzuckereinstellung ein Muss. Weiters rät die Expertin dazu, Übergewicht abzubauen, mehr Bewegung zu machen und gesünder zu essen. Rauchen einstellen! Möglicherweise sind Medikamente Schuld und sollten ausgetauscht werden.