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Hersteller werben gezielt bei Kindern für ungesunde Produkte

Eine neue Studie zeigt das Ausmaß der Werbung in TV und Internet für ungesunde Lebensmittel, die sich an Kinder richtet: 92 % der Spots und Anzeigen drehen sich um Fast Food, Süßigkeiten & Co. Wissenschaftler fordern nun ein Verbot.

(8.4.2021) - Das „Große Wimmelbuch“ ganz umsonst erhalten – toll, oder? Dazu muss man nur auf die Webseite von Ferrero gehen und dort einen Code eingeben. Um den zu haben, muss man natürlich zuvor ein Überraschungsei kaufen. Welches Kind möchte das nicht?

Mit solchen Beispielen illustriert der Ökonom PD Dr. Tobias ­Effertz von der Universität Hamburg eine neue Studie zum Ausmaß von Werbung für ungesunde Produkte in Internet und Fernsehen. Das erschreckende Ergebnis: Ein mediennutzendes Kind sieht in Deutschland im Schnitt pro Tag 15 Werbespots und -anzeigen für ungesunde Produkte, fünf davon im Internet und zehn im TV. Wissenschaftler fordern nun ein Verbot solcher Werbung, um Kinder vor falscher Ernährung und Übergewicht zu schützen.

Dass Werbung die Aufnahme ungesunder Lebensmittel fördert, ist durch zahlreiche Studien erwiesen. Bisher fehlten aber aktuelle Daten darüber, welchem quantitativen Werbedruck für ungesunde Lebensmittel Kinder hierzulande ausgesetzt sind. Diese Lücke schließt die Studie, die unter anderem finanziert wurde von der Deutschen Allianz Nichtübertragbare Krankheiten DANK, der DDG, dem AOK-Bundesverband, der Deutschen Diabetes Stiftung sowie fünf weiteren Fachgesellschaften und Organisationen.

Studie orientiert sich an den Grenzwerten der WHO

Die Analyse fußt auf Daten von Nielsen Media Research zum Internetsurfverhalten von 6- bis 13-Jährigen in Deutschland im Zeitraum 1. März 2019 bis 29. Februar 2020, also vor der Coronakrise. Dabei wurde auch die Anzahl der wahrgenommenen Werbungen auf Internetseiten erfasst. Zusätzlich analysierte Dr. Effertz 315  Videos auf YouTube zu 33 Produkten prominenter Lebensmittelmarken.

Die Daten zur TV-Werbung stammen aus einem Datensatz der Universität Hamburg aus den Monaten Juni bis September 2019 mit 8269 Werbespots auf den fünf wichtigsten Fernsehsendern für Kinder: Disney Channel, Nickelodeon, Pro7, RTL und Super RTL (KIKA von ARD und ZDF zeigt keine Werbung). Die Produkte wurden als gesund oder ungesund klassifiziert anhand des Nutrient Profile Model (NPM) der WHO, das eigens für den Bereich Kinder entwickelt wurde. Es legt für die einzelnen Inhaltsstoffe Grenzwerte für Kinderprodukte fest, bei deren Überschreiten keine Vermarktung an Kinder erfolgen soll.

Der Werbedruck auf Kinder wurde im TV deutlich erhöht

Zusammenfassend lässt sich sagen: 92 % der Produkte, die Kinder in der Lebensmittelwerbung in TV und Internet sehen, sollten gemäß NPM nicht an Kinder vermarktet werden. Zugleich richten sich aber z.B. im Fernsehen 70 % der von Kindern gesehenen Spots durch ihre Aufmachung speziell an Kinder. Häufige Produkte waren in der Studie das McDonald’s Happy Meal, Ferdi-Fuchs-Würstchen und der Schokopudding Monte von Zott.

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