Skip to main content

Eversense XL – Mein neuer Lebensabschnitts-Partner

Peter Hopfinger: "Ich habe mir den Eversense XL von Roche implantieren lassen".

Von Peter P. Hopfinger / Fotos: (c) Veronika Kub

Lange war ich skeptisch, obwohl ich wirklich ein Fan von modernen Zucker-Messgeräten bin. Tatsächlich verwende ich ein Flash-Glucose-Monitoring-System bereits seit mehr als drei Jahren. Jetzt aber der nächste Schritt: ich habe mir den Eversense XL von Roche im Wiener Hanuschkrankenhaus an der Diabetes-Abteilung von Prof. Dr. Thomas Wascher implantieren lassen. Jetzt habe ich für zumindest ein halbes Jahr einen neuen Lebensabschnitts-Partner in meinem Körper. I´ve got you under my skin.

Um es vorweg zu nehmen: der bürokratische Teil des ersten Ausflugs in die Welt des CGM (Continuos Glucose Monitoring/Kontinuierliche Zucker Messung) ist wesentlich langatmiger, als die praktische Umsetzung. Denn erst nach der Verordnung durch einen anerkannten Spezialisten wie Prof. Dr. Thomas Wascher, der auch rasch die richtige belegbare Begründung formulierte („signifikante nächtliche Unterzuckerungen /Hypos) kam auch problemlos innerhalb von Minuten die Bewilligung für das rund 3.000 Euro teure Eversense-System vom Chefarzt der SVA, bei der ich versichert bin.

Das dauerte – obwohl eigentlich flott – rund eine Woche.

Der praktische Teil der Angelegenheit nahm – inklusive Schulung gerade einmal zwei Stunden in Anspruch und wurde – mit gut verständlichen, erklärenden Worten für jeden einzelnen Handgriff – von Frau Dr. Johanna Bardy durchgeführt. Zwei Stiche in den Oberarm für die lokale Betäubung waren das, was ich am meisten gespürt habe. Den Schnitt mit dem Skalpell und alle weiteren Schritte, um den rund einen Zentimeter großen Sensor unter meine Haut zu platzieren, waren kaum spürbar.

Es ist schon ein wenig mit Beziehungen vergleichbar, wenn man nach einigen Jahren eine Liaison mit einem neuen System zur Bestimmung des Blutzuckers eingeht. Und natürlich hat es auch mit Gewohnheiten zu tun, die man sich in den vergangenen Jahren zugelegt hat.

Jetzt ist wieder vieles neu: allem voran das Kalibrieren, d.h. der „blutigen“ Zuckermessung mit dem Akku Check Guide, der inklusive Streifen und Stechhilfe mit dem Eversense mitgeliefert wird. 24 Stunden nach dem Einsetzen benötigt das System insgesamt vier Messungen und die Eingabe der Werte, um als „lernendes“ Programm die gemessenen Zuckerwerte in der Gewebsflüssigkeit mit jenen des Blutes zu vergleichen und zu speichern. Danach wird es täglich nur noch zwei Messungen mit Blut brauchen, um den Eversense XL zu kalibrieren.

Neu ist auch, dass man das Lesegerät jeden Tag einmal abnehmen muss, um es wieder aufzuladen. Und anschließend muss es mit einem Klebestreifen wieder möglichst genau über dem Sensor unter der Haut platziert werden. Das ist natürlich am Anfang nicht ganz einfach, aber mit Hilfe der Eversense-App, die in ihrem Menue auch eine Platzierungshilfe anbietet und vor dem Badezimmerspiegel stehend, ist auch dieses Problem relativ schnell gelöst und wird bald zur Routine werden.

Ich geb´s zu: jetzt am Anfang bin ich noch ein wenig verunsichert und weil das bisher verwendete System Libre noch ein paar Tage läuft, werde ich in den ersten Tagen der neuen Beziehung „zweigleisig“ fahren. Sicher ist sicher.

Was ich jetzt schon feststellen konnte: die Eversense-App kann außerordentlich viel. Nicht nur protokollieren, sondern auch meine Daten versenden (z.B. an den behandelnden Arzt), sie stellt Berichte zusammen und – vor allem – sie warnt mich mit individuell einstellbaren Tönen und auch mit Vibrationen vor Unter- und Überzuckerungen.

Soviel zu meinen ersten Eindrücken. Ich werde mich in den kommenden Wochen intensiv mit der neuen Situation beschäftigen und dann eine Fortsetzung schreiben.

Fragen, Anregungen und anderes erreichen mich unter hopfinger(at)diabetes-austria.com