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„Es gibt so viele Möglichketen, Komplikationen zu vermeiden!“

Dr. Susanne Kaser von der Innsbrucker Uni-Klinik ist überzeugt, dass sich Lebensqualität und -Dauer der Patienten durch mehr personalisierte Diabetes-Therapie abseits der Ambulanzen deutlich steigern lassen.

Von Elisabeth Schneyder - 18.3.2019 

Schon als die gebürtige Linzerin im Stoffwechsellabor der Uni Innsbruck an ihrer Dissertation werkte, beschloss sie, sich künftig auf Diabetes zu spezialisieren: „Der Entstehungsmechanismus hat mich ungeheuer interessiert. Außerdem ist Diabetes eine sehr häufige Erkrankung mit sehr guten Behandlungsmöglichkeiten“. Und zwar mit solchen, die stetig besser werden, wie die engagierte 43-jährige Internistin voll Optimismus schildert: „Für Typ-1-Diabetiker werden Closed-Loop-Systeme eine bahnbrechende Neuerung sein – und da sind wir schon sehr nah dran. Und bei Typ-2 lässt sich die Komplikations- und Sterberate durch individualisierte Therapie erheblich senken“. Auch neue Medikamente haben bereits viel gebracht, betont die Spezialistin: „Aufgrund der Studienlage werden wir SGLT-2 Hemmer und GLP-1 Rezeptor Agonisten zukünftig noch viel besser und gezielter einsetzen können“.

Was Expertin Susanne Kaser Sorgen macht, ist die Tatsache, dass die Diabetes-Behandlung vor allem über Ambulanzen läuft: „Die Zahl der Typ-2-Diabetiker steigt rasant, die Ambulanzen sind überfüllt. Es wäre wichtig, niedergelassene Ärzte stärker einzubinden und interessierten Medizinern mehr Fortbildung anzubieten. Natürlich ist das all dies auch eine Kostenfrage, aber es ermöglicht optimale personalisierte Therapie“. Dadurch anfallende, höhere Ausgaben für Medikamente würden sich, so Kaser, auf letztlich sogar rechnen, denn: „So gäbe es weniger Komplikationen. Die sind es schließlich, die die meisten Kosten verursachen – und es gibt so viele Optionen, sie zu verhindern“.

Für die Probleme ihrer Patienten hat die sportbegeisterte Medizinerin größtes Verständnis: „Diabetes spürt man nicht. Das ist gut und schlecht zugleich. Man kann sich keinen Tag ,freinehmen’, wenn man Diabetiker ist. Deshalb müssen Therapie und Lebensumstände und Lebensqualität perfekt zusammenpassen“. Es sei absolut verständlich, dass es im manchen Lebensphasen schwierig werde, sich an die Therapievorgaben zu halten. Und: „Leider wird Typ-2 auch in den Medien häufig noch verharmlost. Oft heißt es einfach ,selber schuld’, wenn jemand Diabetiker ist. Über Typ-1 weiß die breite Öffentlichkeit überhaupt zu wenig. Das macht es noch schwieriger, damit zu leben und damit umzugehen“.

Kasers Rat an Betroffene lautet: „Es ist wichtig, sich selbst in die Therapie einzubringen und mitzuentscheiden. Glauben Sie mir: Dadurch wird’s immer besser!“

 

Word-Rap mit Diabetes-Spezialistin Dr. Susanne Kaser

 


Was hilft Ihnen, sich vom Alltag zu entspannen?

Sport und Musik! Ich liebe Mountainbiking, Schitouren und Musik-Hören – gerne auch „live“ und vielfältig, von Lenny Kravitz bis Roger Waters.

 

Was macht Sie glücklich?

Natur und Zeit mit Freunden verbringen. 
 

Ihr Lebensmotto?

Genieße den Tag! Das lernt man im Spital besonders, wenn man täglich sieht, was alles passieren kann.

 

Ihr größtes Talent?

Ausdauer.

 

Ihr größter „Fehler“?

Ich ärgere mich über Kleinigkeiten, obwohl ich weiß, dass das ein Riesen-Blödsinn ist.
 

Welche Eigenschaften schätzen Sie bei anderen Menschen besonders? 
Ehrlichkeit und Zuverlässigkeit.

 

Was ärgert Sie am meisten?

Intoleranz und Unehrlichkeit. 
 

Über welche natürliche Gabe würden Sie gern verfügen?

In andere Menschen hineinschauen können.

 

Was ist Ihr größter Traum?

Ein langer Urlaub und eine Weltreise. 
 

Welches ist Ihre größte Hoffnung für die Zukunft?

Dass die Zukunft durch Vernunft gestaltet wird. Das wäre schön!!!