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Einblicke in den Alltag Jugendlicher mit Diabetes

Das Leben mit Typ-1-Diabetes verlangt jungen Betroffenen einiges ab. Neben ihrer Erkrankung sind sie mit vielerlei Strapazen und gesellschaftlicher Unwissenheit konfrontiert

(20.6.2022) - "Ständiges Dosieren und Spritzen von Insulin, Blutzuckermessen und die Berechnung der Kohlenhydrate: Typ-1-Diabetes fordert Einsatz im Alltag und viel Verantwortungsbewusstsein", erzählt die Schülerin Nadine Fink. Als Teil einer Gruppe junger Diabetikerinnen und Diabetiker hat die 18-Jährige an einem Forschungsprojekt mitgewirkt.

Initiiert wurde dieses von der Fachhochschule Vorarlberg, die damit einen bisher vernachlässigten Forschungsbereich ins Auge fasste: Im Rahmen des Projektes Youngstars 1 werden junge Erwachsene als aktive Partnerinnen und Partner in die Forschung zu Typ-1-Diabetes einbezogen. Besonderes Augenmerk lag dabei auf den Bedürfnissen junger Diabetikerinnen und Diabetiker sowie auf den Herausforderungen, mit denen sie im täglichen Leben konfrontiert sind.

Rund 800.000 Österreicherinnen und Österreicher leiden Schätzungen der Österreichischen Diabetes-Gesellschaft zufolge an der Autoimmunerkrankung Diabetes. Etwa vier Prozent aller Betroffenen leben mit der Diagnose Diabetes Typ 1. Ihrem Körper mangelt es an Insulin, einem in der Bauchspeicheldrüse produzierten Hormon, das für die Verarbeitung von Zucker zuständig ist. Ist dieser Botenstoff nicht ausreichend vorhanden, kann Glukose nicht aus dem Blut in die Körperzellen aufgenommen werden und sammelt sich im Blut an.

Vorurteile und Mobbing

Die Folgen reichen von Gewichtsverlust über Müdigkeit und Antriebsschwäche bis hin zu Übelkeit. Steigt der Blutzuckerspiegel enorm stark an, kann das sogar zu Bewusstlosigkeit führen. Mit der Erkrankung umzugehen erfordert einiges an Aufwand und Kontrolle. Bei Youngstars 1 gingen die Forschenden der Frage nach, wie Angebote zur Diabetesversorgung besser an die Lebenswirklichkeit von Jugendlichen und jungen Erwachsenen angepasst werden können?

Um diese zu beantworten, wählte das Team die partizipative Photovoice-Methode: Acht Wochen lang hielten die Teilnehmenden wichtige Aspekte ihres Lebens fotografisch fest. Diese Aufgabe wurde sehr unterschiedlich interpretiert, was auch beabsichtigt war, sagt Forschungsleiterin Katrin Paldán. "So konnten die Jugendlichen ihren eigenen Blickwinkel einbringen und uns Nichtdiabetiker:innen Einblick in ihren Alltag gewähren."?

Ein Bedürfnis, das die jungen Teilnehmenden verbindet, ist der Wunsch nach mehr gesellschaftlicher Aufklärung. Da ihre Erkrankung oft mit Typ-2-Diabetes verwechselt werde, empfinden die Jugendlichen häufig den Zwang, sich zu erklären. "Die berühmteste Frage, die ich zu hören bekomme, ist: Hast du Diabetes, weil du zu viel Zucker gegessen hast? Ich weiß, es ist Unwissenheit, dennoch nervt es", schreibt die Teilnehmerin Mia Guntermann (16).

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