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Die letzte Diva - Elisabeth Taylor

Nicht nur ihre Filme machten die Diva berühmt, sondern auch ihr Privatleben. Etliche Liebesaffären, acht Ehemänner, viel Geld, Krankheiten, wie zum Beispiel auch Diabetes, und Tragödien waren charakteristisch für ihr Leben.

Mit 17 Jahren hatte Elizabeth Taylor fünf Filme gedreht, sie war im Weißen Haus empfangen worden, litt an Magengeschwüren und Rückenschmerzen, sie hatte mehrere Nervenzusammenbrüche überstanden und war drei Jahre zuvor von den MGM-Kameraleuten zur "Schönsten Frau" gewählt worden.

Elisabeth Taylor, 1932 als Tochter amerikanischer Eltern in London geboren, stammt noch aus einer anderen Zeit, einer anderen Epoche Hollywoods. Ihr Leben böte Stoff gleich für etliche Drehbücher. Acht Ehen, Alkohol, Völlerei und Entzugsdramen, ebenso aber auch Leinwandruhm und soziales Engagement, drei eigene und zwei adoptierte Kinder – es hat an nichts gefehlt in einer Karriere, die für die Taylor schon als Zehnjährige begann. 1942 stand sie für "Lassies Heimkehr" erstmals vor der Kamera, angetrieben von einer ehrgeizigen Mutter, die selbst Schauspielerin war. Das anmutige Kind, dem die eigene Mutter ein Streckbett verordnet hatte, damit es ein paar Zentimeter größer wurde und in eine Filmrolle passte, verwandelte sich ohne Pubertätsmakel in eine betörend schöne junge Frau.

Viel zu früh, nämlich mit 18, heiratete sie, wohl wieder auf Druck ihrer ehrgeizigen Eltern, den Hotel-Milliardär Nicholas Conrad "Micky" Hilton. Kein Wunder, dass die Ehe schon nach 9 Monaten in die Brüche ging. 

1952 heiratete Liz den 20 Jahre älteren britischen Star Michael Wilding. Diese Ehe war anfänglich recht glücklich. Unter dem lebenserfahrenen Wilding wurde der einstige Kinderstar zur erwachsenen jungen Frau. Aus dieser Ehe gingen zwei Söhne hervor: Michael junior und Christopher. Doch der nervige Starkult in Hollywood brachte auch diese Partnerschaft zum Scheitern. 1957 wurde Liz wieder geschieden. 

Sie heiratete im selben Jahr erneut, aber ihr dritter Ehemann, der Filmproduzent Mike Todd, dem zuliebe sie zum jüdischen Glauben übertrat und dem sie eine Tochter namens Elizabeth schenkte, starb1958 bei einem Flugzeugabsturz. 

Liz verliebte sich wenig später in den Sänger Eddie Fisher, der noch mit Debbie Reynolds verheiratet war, was in der Öffentlichkeit einen Skandal hervorrief. Sie heiratete ihn 1959.

In der Zeit ihrer besten Filme – "Giganten" (1956), "Die Katze auf dem heißen Blechdach" (1958), "Plötzlich im letzten Sommer" (1959) – bereicherte sich die Schönheit ihres herzförmigen Gesichts durch Lebensspuren: Jeder Zuschauer spürte, was ihre Männer und Liebhaber wussten – diese Frau war eine hungrige Genießerin, ein heißes Vollweib und ein Weibsstück, dem empörte Hausfrauenverbände Plakate am Hotelfenster vorbeitrugen: "Liz go home!"

Den Partner ihres Lebens traf Liz Taylor ausgerechnet bei den Dreharbeiten zu "Cleopatra" - die sie sich mit der ersten 1-Million-Dollar-Gage der Filmgeschichte vergolden ließ - in Rom. Richard Burton war Antonius, sie war Cleopatra. Burton war bis zu diesem Zeitpunkt glücklich verheiratet, aber die Taylor wollte diesen Mann.

Gleich bei der ersten gemeinsamen Szene sollen die beiden einander verfallen sein. 
Sie heirateten und kamen nie wieder aus den Schlagzeilen. Die Paparazzi hingen in den Bäumen. Sie wurden von den Fans so belagert, dass sie ihre Hunde auf dem Dach ausführen mussten. Ihre Beziehung lag im Schaufenster der Nation. 

Sie verdienten Millionen und gaben sie auch wieder aus. Üppig und schamlos. Eine Yacht, ein Privatjet, Gemälde, die teuersten Kleider, die teuersten Klunker (Krupp-Diamant, 33 Karat, Cartier-Diamant, 69 Karat). Die Burtons waren ständig unterwegs und kauften überall Häuser. Mit ihnen reisten die Kinder, ein großer Hofstaat an Dienerschaft und viele nicht stubenreine Hunde, weshalb die Teppiche oft gewechselt wurden. Die Ehe war von Exzessen gezeichnet. Richard Burton und Elisabeth Taylor tranken - und sie schlugen und versöhnten sich. Sie ließ ihn nie von der Leine und achtete auf fremde Frauen - "mit Augen im Hintern und Stielohren" sagte Burton. Er betete ihre Schönheit und Prominenz an, sie bewunderte sein Talent und seine enorme Bildung. Alkohol, Tabletten und schwere Krankheiten von Liz unterhöhlten nach zehn Jahren die Beziehung. Sie trennten sich. 1975 heirateten  sie ein zweites Mal und wurden 1976 wieder geschieden.

Ehe Nr. 7 und 8, sowie etliche Alkoholexzesse, Nervenzusammenbrüche und Klinikaufenthalte bestimmen auch ihr weiteres Leben. 
Der Leidenskatalog von Elizabeth Taylor liest sich gespenstisch: Rückenmarksoperation und Gehirntumor, drei Kaiserschnitte, ein Luftröhrenschnitt, Diabetes, Amöbenruhr und Abszesse, Blinddarm- und Gebärmutter-Entfernung, Brandwunden, gebrochene Finger, Selbstmordversuch. Dazu allerdings Dutzende von Hospitalisierungen, die man bei einem Normalo wahrscheinlich mit einem Wadenwickel und einer Aspirin behandelt hätte. Sie hatte fraglos neben delikater Gesundheit auch eine Begabung zum Hypochonder. Michael Wilding, ihr zweiter Ehemann, der auch nach seiner Entsorgung nie ein schlechtes Wort über sie fallen ließ, drückte es milde so aus: "Elizabeth ist einfach allergisch gegenüber Gesundheit." 

Mike Todd, Gatte Nummer drei, mehr ein Mann der Tat denn des geschliffenen Wortes, begriff instinktiv, was zur Spontanheilung zu tun war: Er schaffte ihr Wand-Aktien ins Krankenzimmer - einen Monet, einen Cezanne, einen Utrillo. Die neuen Tapeten beschleunigten die Gesundung der Frau im Stützkorsett. Ehemann fünf und sechs, Richard Burton, heilte bekanntlich mit Juwelen.

Amüsant und sogar liebenswert werden Taylors Marotten durch ihre wunderbare Selbstironie; berühmt ihre Aussprüche wie: "Dicke Mädels brauchen dicke Brillanten" oder: "Für eine Frau meines Alters sehe ich gar nicht so schlecht aus, wenn man die Liste meiner Krankheiten und Operationen und all diese Narkosen bedenkt. Diese Betäubungen sind ja auch eine Chance, seinen Schönheitsschlaf aufzuholen."

Jedwede Form des Minimalismus oder Understatement ging an Elizabeth Taylor spurlos vorüber. Sie toupierte sich die Haare wie der Metro-Goldwyn-Mayer-Löwe persönlich. Sie behängte sich mit Schmuck wie ein Zirkuspferd und sie hüllte sich ungeniert in Zobel und Nerze. An ihrem Make-up schienen Stukkateure gearbeitet zu haben statt Visagisten. Netter gesagt: Sie war Pop, längst bevor der Begriff im Lexikon angekommen war.

In den vergangenen zwei Jahrzehnten gelang es Elisabeth Taylor sich selbst und ihr Image neu zu erfinden und die Früchte ihres Ruhms zu ernten - denn als das Rampenlicht eigentlich schon erloschen war, kam ihr der Ruhm aus einer ganz anderen Ecke nachgelaufen. 1987 ernannte sie der französische Präsident Mitterrand zum Ritter der Ehrenlegion. Im Mai 2000 adelte sie Queen Elizabeth II. zur "Dame Commander" des britischen Empire. Beide Staatsoberhäupter ehrten nicht die Schauspielerin von gestern, sondern die weltweit erfolgreichste Galionsfigur im Kampf gegen Aids. Die Taylor hatte es fast im Alleingang geschafft, die Diskussion und Bestürzung über die Immunschwäche-Krankheit aus dem Schmuddeleck in die Ballsäle zu holen, wo man das nötige Geld und Problembewusstsein zum Kampf gegen die Seuche bündeln konnte. Seit 1985 zu einem Zeitpunkt also, da Aids in der besseren Gesellschaft noch lange keine "wohltätig korrekte" Krankheit war, engagierte sie sich aus vollem Herzen und mit offenem Scheckbuch. Und vor allem motivierte sie Tausende von wohlhabenden Menschen, es ihr nachzutun.

Die zweifache Oscar-Preisträgerin Elisabeth Taylor ist oft abgestürzt und immer wieder aufgestanden. Sie ist eine mutige, übertriebene Vollblutfrau und sie verkörpert Hollywood, wie es war - in seinen schönsten und wildesten Zeiten. 

Fest steht nur eines: Liz Taylor passte nicht auf die Leinwand – die war ihr einfach zu klein.