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Die königliche Hoheit und die Prinzenrolle

EXKLUSIV: Die Ansprache von Prinz Joachim beim 2. Europäischen Diabetes-Patienten-Gipfel in Kopenhagen

Von Peter P. Hopfinger

Wien/Kopenhagen - Rund 150 Vertreter von Selbsthilfegruppen aus ganz Europa trafen einander Ende Mai auf Einladung des weltgrößten Insulinherstellers Novo Nordisk in Kopenhagen. Zwei Tage lang tauschte man Erfahrungen und Kontakte aus, hörte Vorträge und arbeitete in Workshops. Der Höhepunkt: Seine königliche Hoheit, Joachim Holger Waldemar Christian, Prinz zu Dänemark und Graf von Monpezat* begrüßte die Teilnehmer gleich am ersten Seminartag. Und damit kam ich just zu Geburtstag am 27. Mai zu meiner kleinen Prinzenrolle.

Denn für den Besuch des Prinzen musste geprobt werden: aufstehen, wenn ein Glöckchen sein Erscheinen ankündigt, hinsetzen erst, wenn er sitzt und auch über die richtige Anrede („Royal Highness“) wurden wir belehrt. Ich durfte dabei beim Proben als Double die Rolle des Prinzen übernehmen und bekam nach erfolgreicher Probe noch ein Geburtstagsständchen aus 150 Kehlen und damit auch aus 26 EU-Ländern.

Prinz Joachim war es dann auch, der am nächsten Tag gemeinsam mit dem Europa-Chef von Novo, Matt Regan den offiziellen Teil des Gipfeltreffens eröffnete.  

Seine englische Ansprache hören Sie hier

Doch dann ging es Schlag auf Schlag: wir wurden in Gruppen eingeteilt und hörten Vorträge zu Themen wie „Die Patientenstimme in der Zukunft“, „Typ 2-Diabetes verstehen“ und andere mehr. Unterbrochen wurde der arbeitsintensive Tag nur durch Pausen, in denen ausgezeichnetes und diabetesgerechtes Essen serviert wurde.

In der österreichischen Delegation waren all jene Gruppen vertreten, die seit einem Jahr gemeinsam an der Gründung des heimischen Diabetes Dachverbands „Wir sind Diabetes“ arbeiten: Karin Duderstadt, Barbara Wagner und Dr. Susanne Pusarnig vertraten die Aktiven Diabetiker Austria,

Ing. Harald Führer repräsentierte die steirische Kindergruppe Diabär, Maria Matzinger und Dr. Angelika Heißl vertraten die Österreichische Diabetikervereinigung ÖDV und Anna Pintsuk sowie meine Person ergänzten die Runde im Namen von Diabetes Austria, der Initiative Soforthilfe für Menschen mit Diabetes. Gecoacht wurden wir – wie schon im Vorjahr – von NOVO-Lady Dr. Christina Bares.

Noch mehr Programm brachte der zweite Tag, an dem mehrere Workshops auf dem Programm standen. Zunächst aber besuchte uns der Generaldirektor von Novo Nordisk Lars Fruergaard Jorgensen. Er ist seit 2017 oberster Boss des weltgrößten Insulinherstellers und hat daher auch Einblicke in den unterschiedlichen Ländern. „In Amerika“, erzählt er, „können sich viele Patienten, die keine zusätzliche Krankenversicherung haben, das Insulin nicht mehr leisten. Da sind die meisten Europäer wesentlich besser dran.“ Neben der Erforschung von Hormonen wie Insulin und anderen Substanzen will man sich bei Novo nun auch mit der Entwicklung von sinnvollen Tools beschäftigen. So soll in einigen Monaten ein neuer Insulinpen vorgestellt werden. Er wird nicht nur Speicherplatz für die letzten 200 Injektionen haben, sondern sein „Wissen“ auch per Bluetooth oder eine noch zu entwickelnde App weitergeben können.

Zum Schluß gestand der sympathische Novo-Boss noch eine Schwäche ein: „Ich bin eigentlich sehr introvertiert. Trotzdem geht manchmal das Temperament mit mir durch und ich hau auf den Tisch.“ Nachsatz: „Manchmal muss man zeigen, was man will.“

Zurück zur Gruppenarbeit: Insgesamt waren fünf Themenkreise angesagt:

  • Wie können nationale Diabetes Pläne auch wirkliche Resultate für Patienten liefern?
  • Wie organisiert man eine gemeinsame nationale Patientenstimme?
  • Leadership und Engagement von lokalen Gruppierungen
  • Der Aufbau von Diabetes-Typ-2-Engagement – Influenzer, Botschafter und Veranstaltungen
  • Die Diabetes-Bewegung und mögliche Awarness-Plattformen

Zu guter Letzt stellte sich noch die für viele entscheidende Frage: Wie können die einzelnen Gruppen finanzielle Unterstützung für ihre Aktivitäten auftreiben. Eine der kniffligsten Fragen, die einzelne Länder – etwa Dänemark, die Schweiz und England – bereits gelöst haben. Denn in diesen Ländern werden Selbsthilfegruppen teilweise staatlich gefördert und haben andererseits Mitgliederzahlen jenseits von 100.000 Menschen. Da kommt auch eine Basisfinanzierung per Mitgliedsbeitrag zustande. Außerdem sind diese großen Organisationen natürlich auch für die Industrie spannende Partner.

Das für mich cleverste Beispiel erzählte Moti Perlmutter von der Israelischen Diabetes Gesellschaft: „Unsere Gesellschaft wurde nur kurz nach der Gründung des Staates gegründet. Und in ihr sind alle – also Ärzte, Patienten und Firmen – vertreten. Denn eines ist klar: ohne eine sichere Finanzierung kann man keine erfolgreiche Selbsthilfe-Organisation machen.“

(* 7. Juni 1969 in Kopenhagen[1]) ist der zweite Sohn von Königin Margrethe II. von Dänemark und ihrem Ehemann Henrik, Prinz von Dänemark.[2] Er ist Angehöriger des Hauses Oldenburg.