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Diabetes und Depression – Wenn die Seele Trauer trägt

Wir verraten Ihnen wie Sie Ihre Stimmung heben können

Kurze Tage, grauer Himmel, Nieselregen: Die dunkle Jahreszeit drückt vielen Menschen aufs Gemüt. Wer kennt Sie nicht - die Momente, in denen wir uns einsam und niedergeschlagen fühlen und auf nichts freuen können. Es ist, als hätte man eine Brille aufgesetzt, die uns nur noch erlaubt, alles in grauen Farben zu sehen. Solche Gemütszustände gehören zu den normalen Hochs und Tiefs des Lebens und sind eine normale, gesunde Art auf negative Erfahrungen, Verluste, Enttäuschungen oder Belastungen zu reagieren. Wenn dieser Zustand über mehrere Wochen anhält und das Gefühl der inneren Leere sich wie Blei um die Seele legt, spricht man von einer ernsthaften Erkrankung: der Depression. Bei Diabetes hängen Depressionen und Krankheit oft unmittelbar zusammen.

Menschen mit Diabetes leiden etwa doppelt so häufig unter Depressionen wie Stoffwechselgesunde. Ein Grund dafür dürften nicht zuletzt die verschiedenen mit der Zuckerkrankheit verbundenen Herausforderungen sein. Den einen belastet die nie aussetzende Pflicht des Messens und Spritzens, ein anderer Patient hat Angst vor Unterzuckerungen oder möglichen Diabetes-Spätfolgen. Aktuell sind in Österreich rund 800.000 Menschen depressiv. Weltweit sind es mehr als 320 Millionen.

Depressionen werden oft unterschätzt

Oft passiert es, dass bei psychischen Erkrankungen die Diagnose leider zu spät gestellt wird. So wäre ein „offenen Umgang mit der Erkrankung“ und eine Kooperation zwischen Diabetologen und speziell ausgebildeten Psychologen wünschenswert. Wer an einer Depression erkrankt ist, kann sich meist nicht mehr aus eigener Kraft aus der gedrückten Stimmung befreien und benötigt Hilfe.

Ärzten ist die Tatsache, dass es Menschen schwerfällt, offen zuzugeben, an einer psychischen Erkrankung zu leiden, gut bekannt. Gemäß der Devise "Jeder ist mal depressiv" werden Depressionen oft unterschätzt und irgendwo zwischen Schnupfen und Einbildung angesiedelt. In Wirklichkeit aber handelt es sich um eine gefährliche Krankheit, die wie keine andere in fundamentaler Weise die Lebensqualität der betroffenen Menschen beeinträchtigt und nicht selten dazu führt, das gesamte eigene Leben in Frage zu stellen.

Depressionen gehen wie kaum eine andere Erkrankung mit hohem Leidensdruck einher, da diese Erkrankung ins Zentrum des Wohlbefindens und der Lebensqualität zielt. Nach einer durchgeführten weltweiten Studie der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind Depressionen mit weitem Abstand vor allen anderen psychischen oder körperlichen Leiden die am schwersten belastende Erkrankung.

Kann Diabetes eine Depression auslösen?

In gewissen Fällen kann allein die Mitteilung der Diagnose „Diabetes“ zu erheblichen psychischen Problemen führen. Besonders betroffen sind hierbei jugendliche Patienten, die in der Regel die vier Stimmungsstadien „DADA“ durchlaufen:

Denial (Verleugnung): = Ignoranz und Ablehnung der Krankheit.

Anger (Ärger): Man empfindet es als unfair, diese Krankheit zu haben, und entwickelt Eifersucht gegenüber „Gesunden“.

Depression: Eine zumindest leichte depressive Stimmung stellt sich fast regelhaft ein. Ihr Verlauf bedarf der Kontrolle, damit der Übergang in eine echte Depression erkannt und behandelt werden kann.

Acceptance (Annahme): Das Akzeptieren der Krankheit gelingt oft erst nach mehrmaligem Durchlaufen der anderen Stadien. In dieser Phase können Diabetiker ihre Krankheit sogar positiv erleben, da sie sich durch gesunde Ernährung und Bewegung fitter fühlen und durch die Beschäftigung mit sich selbst neue Erkenntnisse und Lebenswerte erfahren.

Als Hauptsymptome einer Depression treten Freudlosigkeit, Antriebsmangel, eine große Müdigkeit und gedrückte Stimmung auf, in der Freunde und Familie vernachlässigt werden. Und es gibt viele Nebensymptome wie Konzentrationsschwächen, das Gefühl von Wertlosigkeit, Pessimismus, Schlafstörungen und Appetitlosigkeit bis hin zu Suizidgedanken.

Die Frage, ob Diabetes eine Depression auslöst, beantworteten Experten lange mit Nein. Heute weiß man, dass viele Faktoren an der Entstehung einer Depression beteiligt sind. Durch Diabetes kann allerdings eine Depression „mit angetickt“ werden. Es gibt viele belastende Faktoren, denen gerade Zuckerkranke ausgesetzt sind, denn diese Krankheit schränkt den Patienten ein, was auch bei der Depression der Fall ist. Daraus kann ein Teufelskreis entstehen.

Aktuelle Studien belegen, dass depressive Diabetiker im Vergleich zu nicht depressiven Diabetikern einen schlechter eingestellten Blutzuckerspiegel haben, Gewichtsreduktionsprogramme seltener durchhalten und auch häufiger rauchen. Die Depression ist darüber hinaus bei Diabetikern ein Risikofaktor für die Entwicklung einer koronaren Herzerkrankung.

Eine Depression ist in der Regel gut behandelbar

Mit der richtigen Therapie können 80% der Erkrankten erfolgreich behandelt werden. Je nach Schweregrad der Depression haben sich psychoedukative Ansätze (Information, Schulung und Beratung), psychologische und psychotherapeutische Interventionen und der Einsatz von Antidepressiva als wirksam erwiesen. Meist hat eine Kombination aus medikamentöser und psychologischer/psychotherapeutischer Behandlung den größten Erfolg.

Eine Depression ist kein persönliches Versagen
 
Eine Depression kann jeden treffen, man hat keine Schuld daran, es ist kein persönliches Versagen und es gibt keinen Grund, sich dafür zu schämen. Wichtig ist, anhaltende Symptome der „-losigkeit“, wie Freudlosigkeit, ein allgemeines Gefühl der „Gefühllosigkeit“, Interessenslosigkeit, Antriebslosigkeit, Schlaflosigkeit ernst zu nehmen, beim behandelnden Arzt oder Ärztin anzusprechen und in der Folge professionelle Hilfe bei einem Facharzt/Fachärztin und PsychologIn oder PsychotherapeutIn mit Diabetes-Erfahrung, zu suchen.

 

Kurztest zur Diagnose einer Depression

Leiden Sie seit mehr als zwei Wochen an

  • gedrückter Stimmung
  • Verlust an Interesse und/oder Freude bei sonst angenehmen Ereignissen
  • Schwunglosigkeit und/oder bleierner Müdigkeit und/oder innerer Unruhe
  • fehlendem Selbstvertrauen und/oder Selbstwertgefühl
  • verminderter Konzentrationsfähigkeit und/oder starker Neigung zum Grübeln
  • starken Schuldgefühlen und/oder vermehrter Selbstkritik
  • negativen Zukunftsperspektiven und/oder Hoffnungslosigkeit
  • hartnäckigen Schlafstörungen
  • vermindertem Appetit
  • tiefer Verzweiflung und/oder Todesgedanken?

Wenn Sie vier oder mehr positive Antworten gegeben haben, sollten Sie zum Arzt gehen.

Wir verraten Ihnen wie Sie Ihre Stimmung heben können

Die besten Tipps:

Weniger Alkohol
Minimieren Sie den Alkoholkonsum und ernähren Sie sich bewusst vitaminreich. Das tut dem Körper gut!

Frische Luft
Täglich einen kleinen Spaziergang an der frischen Luft einplanen. 30 Minuten reichen da schon.

Freunde treffen
Vergraben Sie sich nicht zu Hause! Laden Sie Freunde ein oder gehen Sie aus! Ein nettes Dinner mit Freunden kann Wunder bewirken!

Körperkontakt
Küssen, Streicheln, Massieren, Umarmen, Sex... Körperkontakt ist nicht nur angenehm, er macht auch langfristig glücklich. Die Berührungen aktivieren verschiedene Endorphine, also Glückshormone.

Fröhliche Farben
Raus aus dem grauen Alltag! Bunte Kleidung und farbenfröhliche Wohnräume können schnell wieder motivieren.

Entspannungsbad
Für innere Balance: Gönnen Sie Ihren Füßen ein 38°C heißes Bad mit Rosmarin- und Lavendelextrakten.

Nervenfutter
Bei Antriebslosigkeit fehlen uns oft B-Vitamine. Viel davon steckt in Nüssen, Vollkorn oder Bierhefe.

Nichtstun
Achten Sie auf Entspannungspausen. Bewusstes Nichtstun lädt die Batterien wieder auf.

Urlaub
Raus aus der Kälte und ab an den Strand! Flüchten Sie in sonnige Gefilde! Die Sonne und die salzige Luft am Meer bauen auf und regen die Leber an.

Johanniskrautkapseln
Die Stimmungs-Aufheller helfen, wenn es ganz schlimm wird. Die Einnahme der Kapseln muss unbedingt vorab mit einem Arzt abgesprochen werden!

Lichttherapie
Die Lichttherapie wird vor allem zur Behandlung von saisonal abhängigen Depressionen eingesetzt. Dabei wird das fehlende Tageslicht in den Herbst- und Wintermonaten durch spezielle Lichttherapie-Lampen ersetzt. Bei der Lichttherapie sitzt der Betroffene zu Hause entspannt vor dem Lichtapparat (auch Tageslichtlampe oder Lichtdusche genannt), der aus sechs bis acht Leuchtstoffröhren besteht. Diese Röhren senden ein helles weißes fluoreszierendes Licht, das - abgesehen vom ultravioletten Anteil - das gesamte Spektrum des Lichts enthält. Die Lichtintensität am Auge beträgt je nach verwendetem Gerät und Abstand von der Lampe zwischen 2.500 und 10.000 Lux. Dies entspricht etwa dem Licht an einem hellen, schönen Frühlingstag.

Genug trinken
Köstliche Kräutertees wärmen nicht nur den Körper sondern auch die Seele.

Genug Schlaf
Gönnen Sie sich kleine Pausen. Ein kurzes Nickerchen kann schon helfen um die Akkus wieder aufzuladen.

 

Nahrungsmitteln, die helfen

Serotonin ist das wohl wichtigste Stimmungshormon. Es wirkt harmonisierend auf das zentrale Nervensystem und lindert Unruhe. Quellen sind Bananen, Dinkel, Soja, Fisch, Nüsse, Fleisch und Hülsenfrüchte.

Acetylcholin sorgt für natürliche Wachheit und sehr gute Konzentration. Enthalten ist es in Nahrungsmitteln wie Sojaprodukten, Eiern, Vollkorngetreide, Käse, Hafer­flocken und Hülsenfrüchten wie Bohnen.

Katecholamin bringt durch Adrenalin und Dopamin Action in den Vordergrund. Es fördert die Aufmerksamkeit und Aktivität. Enthalten ist die Substanz in Milchprodukten, Eiern, Geflügel und Erdnüssen.

Endorphine sind schmerzstillende Stoffe, die wie ein sanftes Opiat wirken und einen gleichzeitig euphorisch und gelassen machen. Sie befinden sich in Schokolade, Honig, Trauben, Nüssen, Chili und Peperoni.

Psychologische Unterstützung bei Diabetes mellitus

Mag. Dora Beer

Hietzinger Hauptstraße 52

1130 Wien

mobil: 0676 5583259

e-mail: dora.beer(at)praxis-beer.at

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