Skip to main content

Der Honeymoon ist vorbei – Willkommen im Alltag!

Eversense XL im Praxistest – Teil 2

Ein Erfahrungsbericht von Peter P. Hopfinger

Ich sag zwar, DER Eversense oder DAS CGM-System, aber irgendwie empfinde ich das Ding unter meiner Haut doch weiblich. Warum? Nun, SIE ist „under my skin“, SIE ist meistens sehr diskret und – SIE kümmert sich um meine Gesundheit. Das tun Frauen auch sehr oft und sind dabei oft genauso insistierend und lästig, wie dieses kontinuierlich messende Blutzucker-System. Der Honeymoon ist nun vorüber und „Miss Eve XL“ und ich entdecken gemeinsam den Alltag.

Ehrlich: es war ja keine stürmische Liebesbeziehung sondern eher eine Vernunftehe, die uns zusammengeführt hat. Signifikante nächtliche Unterzuckerungen überforderten mich, vor allem deshalb, weil ich im Schlaf nicht reagieren konnte. Und auch das bis dahin verwendete Flash Glucose Monitoring-System (Version 1.0) konnte die Hypos nur registrieren.

"Miss Eve" ist nämlich nicht nur eine penible Dame, die mich permanent mit Daten über meinen aktuellen Zuckerwert informiert, sie wacht auch über meinen Schlaf und erkennt feinfühlig, wenn meine Werte in den Keller zu rutschen drohen. Dann brummt´s in meinem Oberarm. Nachdrücklich dreimal. Das weckt mich sanft und dann folgt schlaftrunken der Griff zum Flüssigzucker.

Sie meldet sich überhaupt – wie auch andere Frauen – häufig zu Wort, obwohl – das muss man schon sagen – die Themen relativ beschränkt sind: Vorhersage hoher Glukosewert, hoher Glukosewert, Vorhersage niedriger Glukosewert, niedriger Glukosewert  sind die Standardmeldungen. Dazu kommt noch: Jetzt kalibrieren, Transmitter aufladen  und zu guter Letzt Kein Sensor gefunden.

Die letzte Meldung klingt dramatischer, als sie ist. Sie poppt einmal täglich auf, wenn nach dem täglichen elektrischen Aufladen des Transmitters dieser erst wieder mit dem unter der Haut befindlichen Sensor per Bluetooth verbunden und anschließend fixiert werden muss.

Ist anfangs nicht so einfach, aber dank einer genauen Platzierungshilfe in der App und mit ein wenig Routine funktioniert das mittlerweile recht flott.

Zwei Mal pro Tag will „Miss Eve“ Blut sehen, soll heißen, sie will mit einer traditionellen blutigen Messung des Blutzuckers ihre eigene innere Logik überprüfen und anpassen. Denn nur damit ist das System auch wissenschaftlich zugelassen.

„Miss Eve“ ist – nach nur zwei Monaten – eine verlässliche Begleiterin geworden. Während man mit anderen Systemen scannen muss, um Werte zu bekommen, tut „sie“ das automatisch alle drei Minuten. Ein weiterer Vorteil: man managed die Zuckerwerte, die Ergebnisse und Berichte sowie den Versand – etwa an Ärzte etc. – ausschließlich über das smarte Telefon und benötigt, abgesehen von der zweimaligen Kalibrierung pro Tag kein eigenes Messgerät.

Wie geht’s nun weiter? Unsere Beziehung dauert auf jeden Fall noch rund vier Monate inklusive Winterurlaub und dann werde ich mir langsam überlegen müssen, ob ich nach einem halben Jahr eine Beziehung mit einer neuen "Miss Eve XL" eingehe ;-)