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Corona-Tests um jeden Preis – und jede Qualität?

Unübersichtlicher Markt. Viele verschiedene Anbieter preisen ihre Tests an, zu teils hohen Kosten. Die Treffsicherheit ist aber dennoch nicht immer garantiert.

Von Ernst Mauritz / http://www.kurier.at

„Ergebnis in fünf Minuten.“ – „Schnelle Klarheit.“ – „Hohe Sicherheit.“ Mit Beginn der Coronavirus-Pandemie waren bald erste Antikörper-Schnelltests auf dem Markt: Eine durchgemachte Infektion könne rasch und zuverlässig nachgewiesen werden, wird versprochen –  mit ein paar Blutstropfen und einem kleinen Testsystem für zu Hause. Aber nicht nur bei den Antikörper-Tests, auch bei PCR-Testungen steigt die Zahl der Anbieter, mit teils enormen Preisunterschieden.

„Mittlerweile gibt es 70 bis 80 Antikörper-Schnelltests aus der ganzen Welt. Da verliert man schnell den Überblick, was die Qualität betrifft“, sagt Lukas Weseslindtner, Leiter des Labors für Antikörperdiagnostik am Zentrum für Virologie der MedUni Wien. Um sie in der EU vertreiben zu dürfen, müssen Hersteller zwar Daten zur Qualität der Analysen vorlegen.  „Es ist aber meist nicht nachvollziehbar, an welchen Personen diese Tests geprüft wurden, ob es etwa schwer oder leicht Erkrankte waren. Deshalb müssen die Angaben auf den Packungen nicht immer mit den Resultaten im Testalltag übereinstimmen.“

Behörden prüfen die Firmenangaben erst dann, wenn Probleme mit einem Produkt offensichtlich wurden, sagt Gregor Hörmann von  der Österr. Gesellschaft für Laboratoriumsmedizin und Klinische Chemie. Erste Überprüfungen haben gezeigt, dass viele Schnelltests eine  „Spezifität“ von nur 98 oder 99 Prozent haben. 99 Prozent bedeutet: Von 100 Getesteten wird bei einem ein „falsch positives“ Ergebnis ausgewiesen: Antikörper gegen Corona werden angezeigt, obwohl die Person keine hat.

Angenommen, zwei Prozent der Bevölkerung (zwei von hundert) haben eine Infektion durchgemacht. Dann zeigt dieser Test bei 100 Personen drei positive Ergebnisse an: Die zwei echt positiven und ein falsch positives. Die Wahrscheinlichkeit, dass der eigene Test richtig positiv ist, liegt also nur bei 66 Prozent.

Anders ist das mittlerweile bei den Antikörper-Tests in fachärztlichen medizinischen Labors. „Hier gibt es sehr gut validierte Tests. Die Rate falsch positiver Ergebnisse liegt da weit unter einem Prozent“, sagt Hörmann. Durch die Kombination mehrerer Tests könne man die Sicherheit eines positiven Ergebnisses noch weiter verbessern.

Wer noch mehr Sicherheit will, dem rät  Weseslindtner zu einem Gegencheck mit einem Neutralisationstest: Dabei werden in einem Speziallabor Zellen mit der  Blutprobe und dem Virus konfrontiert: „Passiert den Zellen nichts, konnten die Antikörper tatsächlich das Eindringen der Viren verhindern.“ Dieser Test ist aber nur an drei Spezialinstituten (den virologischen Instituten in Innsbruck und Wien sowie bei der AGES in Wien) möglich: „Wir können am Tag 100 solcher Tests machen.“ Kosten: Rund 90 Euro (Info: virologie@meduniwien.ac.at)

Weseslindtner: „Speziell Schnelltests versuchen, ein Lebensgefühl anzusprechen: Ich teste mich rasch, und wenn ich Antikörper gegen das neue Coronavirus gebildet habe, ist die Welt wieder so, wie sie vorher war und ich kann unbeschwert sein. Aber das kann gefährlich werden.“ Hörmann ergänzt: „Wenn es eine medizinische Fragestellung gibt oder man einfach nur seine Neugierde stillen will, können hochwertige Antikörpertests in medizinischen Labors für den Einzelnen sinnvoll sein.  Einen Freibrief, dass man nicht mehr aufpassen muss und Schutzmaßnahmen wie Abstandhalten aufgeben darf, würde ich aber sogar nach einem solchen Labortest nicht ausstellen. Denn Ausmaß und Dauer der Immunität sind nach derzeitiger Wissenslage völlig unklar.“

Die Verfahren

PCR-Test

Zum Nachweis einer akuten Infektion: In einem Rachenabstrich oder einer Gurgelflüssigkeit wird nach Virus-Erbgut gesucht und dieses vermehrt.

Antikörper-Test

Antikörpertests weisen nicht das Virus, sondern Abwehrstoffe (Antikörper) nach, die der Körper in Folge einer Infektion bildet. So kann diese belegt werden.

Antigen-Test

Sie weisen Proteine des Virus nach und könnten in Zukunft in bestimmten Situationen als Schnelltest eingesetzt werden.

 

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