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„Betreten verboten“

Die Barfuß-Saison ist für Menschen mit Diabetes gefährlich. Sommer-Tipps für Diabetiker-Füße.

Ohne Schuhe über den Sandstrand oder die Badewiese: Die Barfuß-Saison ist für Menschen mit Diabetes gefährlich. Aus einer winzigen Wunde entwickelt sich mitunter ein Geschwür, im schlimmsten Fall droht eine Amputation. Dennoch sind sich Betroffene der möglicherweise schwerwiegenden Folgen nicht immer bewusst. Wie Diabetikerinnen und Diabetiker im Sommer ihre Füße schützen, weiß Primar Priv.-Doz. Dr. Karl Horvath, Ärztlicher Direktor am Klinikum Bad Gleichenberg.

Diabetes mellitus, die Zuckerkrankheit, zieht insbesondere bei schlecht eingestelltem Blutzucker verschiedenste Komplikationen und Folgeerkrankungen mit sich. Ein dauerhaft erhöhter Blutzucker schädigt die Blutgefäße und Nervenbahnen im gesamten Körper. Vor allem die Füße sind gefährdet, meist entwickeln sich dort infolge der Erkrankung Nervenschäden (periphere Polyneuropathie, PNP) und chronische Durchblutungsstörungen (periphere arterielle Verschlusskrankheit, pAVK). Zu den häufigsten Folgeschäden zählt die sogenannte diabetische Neuropathie, die sich durch Kribbeln, ein taubes Gefühl oder gestörtes Empfinden äußern kann. „Weil durch die verringerte Sensibilität auch die Schmerz- oder Temperaturempfindung nachlässt, bleiben Verletzungen oft unbemerkt. Dann können aus kleinsten Hautverletzungen oder einer kaum wahrnehmbaren Druckstelle schwere, schlecht heilende Wunden entstehen und das diabetische Fußsyndrom verursachen“, erklärt Primar Priv.-Doz. Dr. Karl Horvath. Der Diabetes-Spezialist ist auch regelmäßig als Vortragender in der Schulung von Ärztinnen und Ärzten tätig und kennt die Risikofaktoren.

Regelmäßige Kontrolltermine wahrnehmen

Das Krankheitsbild des diabetischen Fußsyndroms reicht von der einfachen Fußpilzinfektion bis hin zu massiven Fußnekrosen, die eine operative Entfernung des betroffenen Gewebes nach sich ziehen. „Rund 70 Prozent aller Amputationen werden bei Menschen mit Diabetes mellitus durchgeführt. Dies gilt es zu vermeiden“, so der Experte. Er rät Diabetikerinnen und Diabetikern zu jährlichen ärztlichen Fußuntersuchungen. Dabei geben umfangreiche und detaillierte Untersuchungen des Fußes inklusive Kontrollen des Schuhwerks genaue Auskunft über den Gesundheitszustand. Hat sich im Bereich der Füße bereits ein Geschwür gebildet, muss es komplett entlastet werden, so Dr. Horvath: „Wunden sind wie Baustellen: Betreten verboten. Nur wenige Schritte auf einem Geschwür können einen wochenlangen Heilungsprozess zunichtemachen.“

„Fußbewusstsein“ schaffen

Im Rahmen einer stationären Rehabilitation am Klinikum Bad Gleichenberg erhalten Betroffene neben der Einstellung der medikamentösen Therapie Schulungen und Einzelberatungen, in denen krankheitsbezogene und gesundheitsfördernde Informationen vermittelt werden. Dazu gehört auch die diabetische Haut- und Fußpflege. „Früherkennung und Prävention spielen eine große Rolle, damit es nicht zum Vollbild eines diabetischen Fußes und letztendlich zur Amputation kommt. Mit konsequenter Behandlung des Diabetes, täglicher Hautpflege und Einhaltung der wichtigsten Verhaltensmaßnahmen kann diese schwerwiegende Komplikation vermieden werden.“

Die wichtigsten Tipps für Menschen mit Diabetes:

• Niemals barfuß laufen. Im Sand oder in der Wiese können sich scharfe Gegenstände verstecken, die eine kleine Wunde verursachen. Heiße Böden verursachen möglicherweise schwere Verbrennungen an den Fußsohlen.

• Geschlossene, atmungsaktive Schuhe bevorzugen, da in offene Schuhe leicht kleine Steine gelangen und Verletzungen auslösen können. Die Schuhe sollten keinesfalls zu eng sein, da Druckstellen sehr häufig Geschwüre auslösen. Gute Laufschuhe oder orthopädische Konfektionsschuhe sind ideal.

• Füße vor zu starker Sonnenbestrahlung schützen. Immer Sonnencreme mit hohem Schutzfaktor verwenden.

Füße täglich auf Verletzungen oder andere Auffälligkeiten überprüfen, Zehenzwischenräume dabei nicht vergessen: Druckstellen, Verletzungen oder auch Verfärbungen der Haut ärztlich abklären lassen. Verletzungen – und sind sie noch so klein – fachgerecht versorgen lassen.

• Füße maximal drei Minuten bei höchstens 35 Grad waschen. Bei längerer Dauer weicht die Haut auf und Keime können leichter eindringen. Zur Temperaturkontrolle ein Badethermometer verwenden, da bei langjährigem Diabetes das Temperaturempfinden an den Beinen oft beeinträchtigt ist.

• Die Haut nach der täglichen Fußwäsche vorsichtig abtupfen, nicht trockenreiben. Danach mit einer harnstoffhaltigen Creme pflegen. Die Zehenzwischenräume nicht eincremen – das feuchte Klima begünstigt Infektionen.