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Bei Patienten mit Typ-2-Diabetes das Frakturrisiko im Blick behalten!

Je länger Patienten bereits an Typ-2-Diabetes erkrankt sind, desto höher ist einer aktuellen Studie zufolge das Risiko für Hüftfrakturen. Der Timed-Up-and-Go-Test (TUG-Test) hilft bei der Risikoabschätzung in der Praxis.

(Bielefeld, 6.10.2021) - Patienten mit Typ-2-Diabetes haben ein erhöhtes Risiko für Osteoporose und dadurch bedingte Frakturen. Wie es sich im Laufe der Erkrankung verändert, wurde bisher jedoch wenig untersucht. Beim Endokrino-Update 2021 präsentierte Dr. Joachim Feldkamp vom Klinikum Bielefeld neue Daten zum Frakturrisiko dieser Patienten und gab Tipps für die Risikoabschätzung in der Praxis.

In einer aktuellen Studie mit mehr als 5,7 Millionen Teilnehmern wurde untersucht, inwiefern sich das Risiko für Hüftfrakturen bei Patienten mit und ohne Diabetes unterscheidet. Alle Teilnehmer waren über 50 Jahre alt. Das Team um Dr. Ho Youn Park vom Uijeongbu St. Mary’s Hospital in Korea teilte die Patienten in fünf Gruppen: unauffällig, Prädiabetes, neu diagnostizierter Typ-2-Diabetes, Typ-2-Diabetes über eine Zeit von weniger als fünf Jahren sowie länger als fünf Jahre (Bone 2021; 142: 115691).

Risiken steigen mit Diabetesdauer

Verglichen mit der Gruppe ohne Diabetes war das Risiko für Hüftfrakturen in der Prädiabetesgruppe um gut 3% und bei den Patienten mit neu diagnostiziertem Typ-2-Diabetes sogar um knapp 17% erhöht. Mit der Dauer der Erkrankung stieg das Risiko weiter: Bei Diabetikern, die bis zu fünf Jahre erkrankt waren, war es bereits um rund 54% und bei länger Betroffenen um mehr als das Doppelte gesteigert. Die Ergebnisse blieben auch in Subgruppenanalysen signifikant und zeigten ähnliche Muster für beide Geschlechter und alle Altersgruppen (50–64, 65–74, über 75 Jahre).

„Die Studie zeigt eindeutig, dass das Risiko für Hüftfrakturen mit der Dauer des Typ-2-Diabetes ansteigt und bereits beim Prädiabetes vorhanden ist“, resümierte Feldkamp. Für die Praxis empfahl er ein gutes Überwachen von Typ-2-Diabetikern auf eine mögliche Osteoporoseentwicklung. Hilfreich beim Einschätzen des Frakturrisikos sei der TUG-Test (Timed-Up-and-Go-Test).

Einfacher Test zur Risiko-Abklärung

Der Test misst ja die körperliche Leistungsfähigkeit von Patienten, um ihre Fallneigung zu beurteilen. Sie müssen selbstständig von einem Stuhl mit Armlehnen aufstehen, drei Meter gehen, umkehren und sich wieder hinsetzen, während die dafür benötigte Zeit gemessen wird.

Eine aktuelle Studie ergab, dass sich mit dem TUG-Test auch unabhängig von klinischen Risikofaktoren und Knochenmineraldichte präzise Vorhersagen zum Frakturrisiko treffen lassen (Osteoporos Int. 2021; 32: 75-84).

Für die Untersuchung wurden mehr als 3000 ältere Frauen zu klinischen Risikofaktoren für Frakturen befragt und einem TUG-Test unterzogen. Mittels DXA-Technik wurde ihre Knochendichte ermittelt. Eine lange TUG-Zeit, definiert als > 12 Sekunden, ging mit einem mehr als verdoppelten Risiko für größere osteoporotische Frakturen einher, das Risiko für Hüftfrakturen war sogar fast verdreifacht. Nach Adjustierung auf klinische Risikofaktoren und Knochendichte waren die Assoziationen leicht abgeschwächt, blieben aber signifikant.

„Der TUG-Test hat eine hohe Vorhersagewahrscheinlichkeit für das Auftreten osteoporotischer Frakturen und sollte in der Praxis häufiger angewandt werden“, riet Feldkamp. Dies könne helfen, Patienten zu identifizieren, die von weiteren Maßnahmen zur Fraktur-Prophylaxe wie physikalischer oder medikamentöser Therapie, Optimierung der Vitamin-D-Versorgung oder sonstigen Schutzmaßnahmen profitieren.

Quelle: https://www.aerztezeitung.de/