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Bei Diabetes immer an Herzinsuffizienz denken – und umgekehrt

(Berlin, 9.10.2020) – Das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist bei einem Diabetes mellitus zwei- bis vierfach erhöht, bei Frauen sogar bis sechsfach. Darauf weist die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) hin.

„Die Herzinsuffizienz ist die häufigste kardiovaskuläre Folgeerkrankung des Diabetes“, erläutert der DDG-Experte Nikolaus Marx, Direktor der Klinik für Kardiologie, Angiologie und Internistische Intensivmedizin der Uniklinik der Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen.

Hinzu komme, dass die Herzinsuffizienz bei Menschen mit Diabetes oft zu spät erkannt werde, deutlich komplizierter verlaufe und somit besonders schlechte Überlebensprog­nosen habe, warnte er.

„Gleichzeitig haben zwischen 25 und 40 Prozent der Patienten mit einer Herzinsuffizienz auch einen – oft unerkannten – Diabetes“, erläuterte Ralf Lobmann, Direktor der Klinik für Endokrinologie, Diabetologie und Geriatrie am Klinikum Stuttgart und diesjähriger Tagungspräsident der DDG-Herbsttagung.

Liege eine Herzinsuffizienz vor, sollten Ärzte daher auch immer auf einen Diabetes unter­suchen. „Diabetes und Herzinsuffizienz dürfen nicht unabhängig voneinander betrachtet werden, sondern als gefährliches Duo“, ergänzte Marx.

Über welche Mechanismen der Diabetes das Herz schädige und das Risiko für eine Herz­schwäche erhöhe, sei noch nicht vollständig geklärt. „Vermutlich spielen hier Stoff­wech­selveränderungen im Herzmuskel eine Rolle, vor allem im Kalzium- und Energie­stoff­wechsel“,so Marx.

Neuen Erkenntnissen zufolge trage dazu nicht nur der erhöhte Blutzucker selbst bei, son­dern auch Immunbotenstoffe sowie Botenstoffe aus dem Fettgewebe und der Leber, die bei Menschen mit Diabetes häufig durch Fetteinlage­rungen geschädigt sei.

„Um die derzeit noch schlechten Prognosen für diese Patientengruppe zu verbessern, brau­chen wir ein noch besseres Verständnis der Pathophysiologie. Dieses kann uns wie­derum helfen, die Therapie besser zu individualisieren und auch die Diabetes­medikation bei Herzinsuffizienz gezielter einzusetzen“, hieß es aus der Fachgesellschaft.

Quelle: https://www.aerzteblatt.de/