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Australien - Kopfüber in Downunder

Von Europa aus betrachtet hängen Reisende, die das Land der Känguruhs und Koalas besuchen, kopfüber vom fünften Kontinent. Doch davon ist in Australien nichts zu merken.

Das Land der Känguruhs und Koalas

Von Europa aus betrachtet hängen Reisende, die das Land der Känguruhs und Koalas besuchen, kopfüber vom fünften Kontinent. Doch davon ist in Australien nichts zu merken. Bemerkenswert sind hingegen Städte und Natur - auch wenn ein zwei Wochenaufenthalt keineswegs genügt.

Ein Lokalaugenschein von Peter P. Hopfinger

 

Zugegeben: der rund 22 Stunden lange Flug nach Sydney gehört nicht unbedingt zu den liebsten Dingen, die ich mir vorstellen kann. Aber Australien ist jener Kontinent unseres Planeten, der auf meiner persönlichen Weltkarte noch unbefleckt weiss war. Und jede andere Reiseart dorthin dauert noch länger. Daher bot die Tatsache, dass die Zwillinge meiner Frau Andrea dort ein halbes Jahr ihrer siebenten Klasse Gymnasium absolvierten, eine willkommene Gelegenheit, diese touristische Jungfräulichkeit endgültig zu beenden. 

Aisha und Teresa, die beiden 17jährigen, hätten es nicht unterschiedlicher treffen können, die einzige Gemeinsamkeit waren die beiden sehr deutsch klingenden Namen der Gastfamilien: Gersbach und Bosenberg. Doch während Aisha in Sydney in der Familie des Managers eines der grössten Energiekonzerne Australiens aufgenommen wurde, hat Teresa am entgegengesetzten Ende - in der Nähe der westaustralischen Stadt Perth - bei einer alleinerziehenden Mutter ihre Gastfamilie gefunden.

Zu sehen gab es daher Australien von West bis Ost: New South Wales, der allererste Bundesstaat und West Australia der westlichste. Beginnen wir in Sydney.

Die Harbour Bridge

Ein gewaltiges Denkmal aus den Zeiten der Stahlbauer ist die riesige Brücke, die den Hafen von Sydney quasi bewacht. Auf ihr fahren Autos vierspurig, eine Eisenbahn rattert drüber und – fast Tag und Nacht – wandern Fussgänger über die Brücke. Allerdings nicht über den geraden Teil, der ein Festland mit dem anderen verbindet, sondern über die massiven Eisentraversen, die das Gerüst der Brücke darstellen. Bereits als der Übergang geplant wurde, hat man bedacht, dass er bisweilen auch eines Service und etwaiger Reparaturen bedarf und hat daher ordentlich begehbare Stege eingebaut. Irgendwann kam ein kluger Kopf drauf, dass man die Begehung dieser erstaunlichen Konstruktion auch vermarkten könnte und das wird nun auch stündlich getan. Insgesamt drei Stunden dauert der absolut sichere Ausflug in lichte Höhen, doch ein Drittel wird dem Anlegen von Schutzkleidung inklusive Sicherungsseil, der Erklärung von Sicherheitsmaßnahmen und der Übung im Besteigen steiler Treppen gewidmet. Die Organisatoren haben wirklich an alles gedacht. Als ich kundtue, dass ich Diabetiker bin, übernimmt der Tourguide meinen Traubenzucker und lässt mich ganz knapp hinter sich gehen, damit er sofort zur Stelle ist, wenn ich einen Hypo haben sollte. 

Ich geb´s zu: bei den ersten 150 Metern hoch über dem Straßenniveau, noch höher über dem Wasser ist mir ganz schön mulmig und ich riskiere Blicke nach unten nur, wenn ich mich mit beiden Händen am Geländer anhalte. Auch beim Steilaufstieg in die Brückenkonstruktion vermeide ich den Blick nach unten, doch mit jedem Schritt gewinne ich an Sicherheit und als unsere Gruppe schließlich auf den gut zwei Meter breiten Brückenbogen Richtung Scheitelpunkt wandert, ist das Schlimmste schon überstanden und wir werden mit einem atemberaubenden Panoramablick belohnt. 

Unter uns ziehen die Schiffe, visavis leuchtet in weiß der spektakuläre Bau der Oper von Sydney und rundherum beeindruckt eine durchaus harmonische Skyline, in der sich Bauten aus der Zeit von Queen Victoria mit den glänzenden Glasbetonbauten der heutigen Zeit mischen. Selbstverständlich wird unsere Heldentat von unserem Tourguide fotografisch festgehalten (eigene Kameras mitzunehmen ist nicht gestattet) und natürlich will ich dem geneigten Leser unsere Siegerposen nicht vorenthalten. Bei Abstieg gehen wir schon so locker, wie aus dem Wohnzimmer in die Küche und jeder hat das Gefühl einen kleinen Sieg errungen zu haben. 
Ach übrigens: meinen Reserve-Traubenzucker habe ich natürlich nicht gebraucht. Das lag aber daran, dass die letzte Messung vor dem Aufstieg 190 mg/dl ergeben hatte und ich unmittelbar danach nur noch 92 mg/dl maß.

Der Royal National Park

Nur 32 Kilometer vom Stadtzentrum Sydney entfernt liegt der Königliche Nationalpark, der zu den ältesten der Welt gehört. Bereits 1879 gegründet umfasst er für australische Verhältnisse geringe 132 Quadratkilometer und bietet so ziemlich alles an, was auch den Rest des fünften Kontinents auszeichnet. Urwaldlandschaften, Sandstrände, Eukalyptuswälder und Sümpfe. Er kann mit dem Auto, dem Rad oder auch zu Fuß erforscht werden, bietet für Camper und Rucksacktouristen Übernachtungsmöglichkeiten an und ist auch von Sydney leicht erreichbar. Vier Bahnstationen sind in unmittelbarer Nähe (Engadine, Waterfall, Heathcote und Loftus) und vom Princes-Highway gibt es eine gut beschilderte Abfahrt. Tierfreunde kommen in diesem Park voll auf ihre Kosten. Nicht weniger als 43 Arten Säugetiere sind hier zu Hause und nicht weniger als 241 Sorten Vogelarten wurden hier beobachtet. Hier leben auch über 70 Arten Reptilien und Amphibien. Wer freilich zu Fuß unterwegs ist, sollte unbedingt festes Schuhwerk tragen und gut darauf achten, wohin er tritt. Mindestens drei Schlangenarten sind hochgiftig. Um ehrlich zu sein: 

Radfahrer habe ich bei meinem Besuch keinen einzigen gesehen und auch Wanderer konnte ich keine beobachten. Wir sind auch selbst mit dem Auto durchgefahren und haben dabei leider einen unvorsichtigen Leguan „erlegt“, der sich auf dem aufgeheizten Asphalt aufwärmen wollte. Wenig später entdeckten wir einen kilometerlangen Sandstrand, auf dem maximal zehn Badelustige auf einer Länge von gut fünf Kilometer anzutreffen waren. Zusätzlich waren auch zwei Sportfischer dort, die jedoch ihre liebe Mühe hatten, Beute zu machen. Denn ganz in ihrer Nähe warteten ganz ungeniert drei Dutzend Möwen, die den Fischern ihren Fang streitig machten und den einen oder anderen Fisch frech von der Angel rupften.

Infos für Diabetiker

Wer als Mensch mit Diabetes in Australien einreist, sollte vor allem gut mit Diagnose-Utensilien eingedeckt sein. 
Denn während es nur wenig Probleme damit gibt, etwaige Engpässe bei Arzneimitteln (Insulin oder Pillen) auszugleichen, ist das im Bereich der Messstreifen ungleich schwieriger. 
Wem Pillen oder Insulin ausgehen, der muss zunächst einen Arzt aufsuchen, der ihm ein Rezept verschreibt. Das geht ohne Probleme, kostet aber Geld (ca. 30 bis 50 AUD) Mit diesem Rezept bekommt man dann in jeder beliebigen Pharmacy das gewünschte Präparat. Pennadeln, Spritzen oder Stechhilfen sind jederzeit ohne Rezept (aber gegen Bargeld) erhältlich. 
In jedem Fall empfiehlt es sich, für die extrem heißen Temperaturen (bis 50 Grad Celsius) des 5. Kontinents gerüstet zu sein. Zwar gibt es Autos mit Klimaanlagen (übrigens wird in Australien rechts gesteuert und links gefahren), aber für Ausflüge an den Strand oder zu einem der anderen lohnenden Ziele ist das 100fach bewährte FRIO-Kühlsystem (es funktioniert nur mit Wasser und OHNE Strom) unbedingt zu empfehlen.

 

 

Teil 2 – Perth und Freemantle

Kopfüber in Downunder

Ein Lokalaugenschein von Peter P. Hopfinger

Fünf Flugstunden westlich und drei Stunden Zeitunterschied Richtung Europa befindet sich am fünften Kontinent die Provinz Westaustralien. In den Städten Perth und Freemantle gibt´s Sehenswürdigkeiten wie AQWA, das Meereshaus, das Gefängnis und den Flohmarkt von Freemantle. Und selbstverständlich leben auch Diabetiker in dieser Ecke der Welt.

Die Bosenbergs leben in einer der neuen Siedlungen ausserhalb von Perth. Dort haben die Städteplaner gemäß dem Motto „Das Gegenteil von gut ist gut gemeint“ in kreisförmigen Siedlungen zum Verwechseln ähnliche Häuser aufgestellt. Gewachsene Infrastruktur gibt es hier so gut wie keine. Die Highways und Siedlungen werden im besten Fall alle zehn Kilometer von einem sogenannten Foodcourt unterbrochen. Dort gibt es dann einen Supermarkt, einen Schnapsladen und mehrere Fastfood-Restaurants wie McDonald, Kentucky Fried Chicken und ähnliches. Im Umkreis von 30 Kilometer gibt es dann noch ein Kinocenter und eine Bar. In letzterer treffen sich aber nur die deklarierten Trinker. 
Wen wundert´s, dass die Menschen hier einerseits viel übergewichtiger sind, als die Weltstädter aus Sidney und andererseits ihre Fadesse mit Unmengen von Alkohol wegspülen. 

Die Bosenbergs trinken so gut wie keinen Alkohol. Dafür ernähren sie sich nicht besonders, obwohl Mama Robin in einem Supermarkt an der Kasse steht. Tochter Christie ist seit einigen Jahren Diabetikerin, aber sogar meiner Stieftochter Tesi fällt auf, dass sich die junge Frau aus Downunder so gut wie nicht um ihren Diabetes kümmert. 

In Gesprächen erfahre ich, dass Christie nicht gern über ihre Krankheit redet. Immerhin weiß sie, dass sie einige Kilos abnehmen sollte, aber als ich mir ein Messgerät von ihr ausborgen will, muss ich feststellen, dass das blitzsaubere Gerät wahrscheinlich schon seit Monaten nicht benutzt wird. Messstreifen hat Christie auch keine parat. 
Naja, schade, aber diese Art von Menschen mit Zucker gibt es wahrscheinlich weltweit zu Tausenden. 
Zurück zu den interessanten Dingen in Westaustralien.

Fremantle – Flohmarkt und Gefängnis

In den späten 60er-Jahren war Fremantle als Hippiehauptstadt weltbekannt. Heute erstreckt sich das Hippieflair in der Hauptsache auf den Flohmarkt, der in zwei Markthallen untergebracht ist. Dort finden sich noch immer langhaarige Gitarristen, die ihre Philosophie gegen einen kleinen Obolus in die Welt hinaussingen. Da gibt es neben Obst- und Gemüseständen auch Shiatsu-Masseure, Duftkerzenverkäufer und allerlei köstliche Gewürze und Gerüche. Insgesamt ein tolles Einkaufserlebnis, bei dem man etwaige Unterzuckerungen sogar mit dem österreichischen Energydrink Red Bull bekämpfen kann, der hierher sowohl in der Originalrezeptur als auch in der zuckerfreien Version exportiert wird. 

Ein Erlebnis der besonderen Art ist das Gefängnis von Freemantle, das bis 1991 belegt war und ein dramatisches Zeugnis von inhumanem Strafvollzug ablegt. Bei der 90minütigen Nacht-Tour, die wir buchen, erfahren wir Interessantes über australische Rechtsprechung. Erbaut wurde der riesige Kasten von englischen Kleinkriminellen, die beispielsweise für den Diebstahl von einem Paar Stiefel mit lebenslangem Zuchthaus bestraft wurden. In den Zellen gab es bis zur Schließung kein Fließwasser und keine Belüftung. Bei australischen Sommern mit bis zu 50 Grad Celsius fühlte man sich in diesen behaglichen Gemäuern wie in einem Backofen. 

Verständlich, dass immer wieder versucht wurde, dieses gastliche Haus so rasch als möglich zu verlassen. Einer der Insassen brachte es dabei zu einer besonderen Meisterschaft und bekam schließlich eine besonders ausbruchsichere Zelle. Der einzige Weg aus dieser steinernen Gruft dürfte oft genug über den Galgen geführt haben. Dort wurden allerdings nur Mörder ins Jenseits befördert. 46 Männer und eine Frau wurden dort am „Hals aufgehenkt bis der Tod eintrat“. 
Auch ein Mitglied der Rock-Truppe ACDC hatte im Fremantle Gefängnis eine Zeitlang freie Kost und Logis, weil man ihn beim Besuch des fünften Kontinents mit illegalen Drogen erwischt hatte. Wer dann noch den spartanischen „Wellness“-Bereich dieser Anstalt sieht, wundert sich, dass es hier auch Künstler gab, die ihren Zellen und auch diesem Bereich durch aussagestarke Bilder so etwas wie einen persönlichen Touch gaben. 
Irgendwie sind wir froh, als wir den düsteren Bau wieder verlassen dürfen. http://www.fremantleprison.com.au/

AQWA – Ein Haus des Meeres in Australien

Denkt man an das Wiener Haus des Meeres, fällt einem rasch der Flak-Turm ein, der vom Gröfaz in Auftrag gegeben wurde, um Angriffe auf die Stadt Wien zu verhindern. Ganz anders stellt sich das AQWA am Strand von Perth dar. 
Hier sieht man wundersame Tiere, die den Ozean bevölkern nicht nur in natürlicher Umgebung, sondern auch in einem faszinierenden Spaziergang über einen künstlichen Meeresboden. In einem Glastunnel unterquert man ein mit einer Million Liter Meerwasser gefülltes Becken, in dem sich Riesenschildkröten, Mantas und gewaltige Haie tummeln. Wer bessere Jahreszeiten als ich erwischt, kann auch mit einem Boot hinaus aufs Meer fahren, um dort die Walherden, die vorbeiziehen zu beobachten. Auch Schnorcheltouren im offenen Meer können hier gebucht werden. Dabei kann man dann mit Haien, Rochen oder auch Delfinen auf Tuchfühlung gehen. 
Mehr darüber bei http://www.aqwa.com.au/main.asp

 

Viel zu kurz ist ein Zwei-Wochen-Aufenthalt in Australien, aber das wusste ich schon vor Antritt meiner Reise. Das nächste Mal, wenn´s mich nach Downunder verschlägt, kann ich schon die neue Bahn benützen, die Darwin mit Adelaide verbindet. Aber ich schätze, das wird wohl noch eine Weile dauern.