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Allerhand aus Alland

Der Doppel-Blog von der „Fit 4 Life“-Reha in Alland

von Bettina Blanc und Peter Hopfinger

Wien/Alland (Peter P. Hopfinger) Die „Fit 4 Life“-Aufenthalte in der Sonderkrankenanstalt Alland finden bereits im vierten Jahr statt. Die Erfolgsgeschichte der Reha-Aufenthalte für jugendliche und junggebliebene Typ-1-Diabetiker geht in die nächste Runde. Diesmal sind nicht nur teilweise Teilnehmer des vorigen Jahres dabei, sondern auch Bettina Blanc, die bereits seit 40 Jahren insulinpflichtig ist. (Beiträge von ihr finden sich in Ansichten/Einsichten)

Gemeinsam werden wir unsere verschiedenen Eindrücke aus Alland in einem Blog veröffentlichen. Wir freuen uns, wenn Sie uns in den nächsten drei Wochen bei unserem ungewöhnlichen Reha-Aufenthalt begleiten und versichern schon jetzt:

Es passiert „Allerhand in Alland“.

Bettina Blanc - 1.0

1. Überwindung – ich fahre eine längere Strecke mit dem Auto, was ich nicht so mag. (Hopfinger hat sich das gewünscht wg. Ausflüge machen) Bin aber rechtzeitig angekommen und ohne Hypo und ohne Unfall!!

2. Jugendturnus – ich bin halt schon bald 50 Jahre alt und ich bin halt auch schon  über 40 Jahre „juvenile“ Diabetikerin (Hopfinger hat sich das gewünscht, weil er meint, dass wäre positiv für die Jungen)  Bin dabei, aber muss das Jugendliche in meiner Seele nicht übertreiben ( aufdringlich) aber auch nicht unterdrücken ( weil ich´s noch so spür!)

3. Unterschiede – im Umgang der Jungen „juvenilen“ DiabetikerInnen zu meiner Erinnerung in meiner „juvenilen“ , jungen Diabetiker-Zeit.  Bin der Meinung, dass es sich im psychologischen Umgang mit der chronischen Krankheit nix geändert hat. Glaube aber, dass die technischen Hilfsmittel manches Mal die zu lernenden Inhalte verschleiert in manchen Zentren (weil ja das technische Hilfsmittel eh schon fast alles fast autonom kann).

Bin also da und warte, was sich noch alles ergeben wird! Mit riesengroßer Neugierde!

 

Peter P. Hopfinger - 1.0

Große Freude bei mehr als der Hälfte der 25 Teilnehmer beim ersten Fit4Life-Turnus 2019 in der Sonderkrankenanstalt Alland in NÖ. Nicht nur, weil diese 25 Typ-1-Patienten im Alter von 16 bis 64 Jahren an einem sehr speziellen und ihren Bedürfnissen angepassten Drei-Wochen-Aufenthalt teilnehmen können. Man kennt sich auch teilweise schon. Janni, Jasmin, Dominik, Anita, Martina und andere kennen einander bereits von vorherigen Aufenthalten. Neue Gesichter kommen dazu, auch neue Geschichten mit dem sich wiederholenden Thema "Wie der Diabetes in mein Leben kam und wie ich die Schwierigkeiten mit ihm meistere".

Schnell sind wir alle "per Du", fast noch schneller eine Whats-up-Gruppe gegründet. Es herrscht Stimmung wie auf einem Ferienlager, obwohl es um eine ernste Sache geht. "Mit Spaß und guter Laune" so unser Sport-Coach Wolfgang sollen hier in den nächsten Tagen und Wochen vor allem jünger Menschen fit fürs Leben - also "Fit 4 Life"  gemacht werden. Mehr dazu demnächst.

Bettina Blanc 2.0

1. Wir sind auf den Hund gekommen! Also nicht wir – im 2. Turnus hat eine Diabetikerin einen Therapiehund mitnehmen dürfen, der genau bekannt gibt, wann sein „Herrl“ zu hohe oder zu niedrige Blutzuckerwerte hat. Bei so vielen DiabetikerInnen eine Herausforderung. Wir sind aber alle recht begeistert von diesem aufmerksamen tollen und auch wertvollen Begleiter.

2. Die soziale Komponente zwischen uns „juvenilen“ DiabetikerInnen im im Alter zwischen 15 und 34 Jahren und älter hat gerade einen ziemlich hohen Stellenwert.

Erstens haben wir alle was gemeinsam: den Sch….- Diabetes.

Zweitens sind wir in unserem Diabeteshandling sehr unterschiedlich und dadurch erleben wir die Vielfältigkeit der Erkrankung – diversity. Dieses selbstverständliche und dauernde Unterhalten darüber entspannt nicht nur mich, sondern hilft auch allen anderen.

Entdeckungsreise - dieser Turnus bietet uns die spürbaren Ergebnisse bei Bewegung und Waldspielen. Augen, Ohren, Nase – auch die diabetischen – sind schon zu zivilisiert geworden. Wir haben versucht unsere Sinne heute wieder zu schärfen: Die Kraft, die in den entdeckten Blättern steckt, hat uns David – der Waldpädagoge toll erklärt.

Wir lernten bei einem lustigen, gruppendynamischen Spiel unsere Ohren zum Richtungshören zu schärfen.

Warum?

Wahrscheinlich um unsere Sinne auch für den eigenen Körper und die Vorgänge darin besser wahrnehmen zu können.

So ein schöner Tag!

Peter Hopfinger 2.0

Jasmin ist 17 Jahre und seit zwei Monaten überglücklich: so lange bewacht Labrador-Mischling Morpheus schon ihren Schlaf und stupst sie - egal ob sie schläft oder nicht - wann immer er mit seiner feinen Nase eine Veränderung in ihrer Atemluft riecht. Mit kräftiger Unterstützung der "Aktion Kindertraum" wurde die rund 25.000 Euro teure Ausbildung von Morpheus finanziert. Seither haben die beiden eine nahezu unzertrennliche Gemeinschaft gebildet. Und weil Morpheus nicht nur ein extrem wohlerzogener, sondern auch ein " medizinisch zertifizierter" Hund ist, darf er auch in Krankenhäuser.

Die Begeisterung für Morpheus steckt alle an und zaubert uns schon frühmorgens ein Lächeln ins Gesicht. Für Jasmin hat sich mit Morpheus viel geändert: sie muss sich nicht mehr vor nächtlichen Unterzuckerungen fürchten und dazu hat sie einen verlässlichen Hundefreund gefunden.

Bettina Blanc 3.0

Koordinaten ist nicht gleich Koordination

Nur, weil das Reha-Zentrum Alland 48°3´N 16°5´O liegt, heißt das nicht, dass ich zweimal klatschen, dabei im Trippelschritt von Reifen zu Reifen hüpfen und noch dazu eine Rechnung lösen kann!!!

Koordination heißt, dass Hände und Füße gleichzeitig unterschiedliche Dinge machen müssen. Jung und Alt hatten mit zunehmender Aufgabenstellung auch Schwierigkeiten. Ehrlich gesagt waren die Jungen ( bis 34 ) doch etwas koordinierter als wir (ab 34 Jährigen). Nicht nur durch die Bewegung sondern auch durchs Denken kamen wir ins Schwitzen und in den Unterzucker.

Weil sich dadurch die Flexibilität des Gehirns zeigt. Auch die Aufmerksamkeit gesteigert wird und die Merkfähigkeit zunimmt.

Also besser öfter einmal die rechte Hand Achter in die Luft zeichnen lassen und die linke gleichzeitig Kreise malen lassen, damit die Zellerneuerung nach Hypos bis ins hohe Alter gewiss stattfindet und unterstützt wird.

Weil ich dann beim Zwischendurchwandern ohne KOORDINATION mit dem Wetterbericht waschelnass nach Hause kam, hätte mir dieselbige im Vorfeld helfen können.

Die KOORDINATEN allerdings in keinem Fall!

Peter Hopfinger 3.0

Die "No-Go´s" beim Reha-Aufenthalt

Zusammenleben erfordert Regeln, auch zu Hause und im Beruf. Besonders aber in einer Anstalt wie Alland, wo etwa 150 Patienten koordiniert werden müssen. Jeder hat Termine beim Arzt, bei Beratern, bei Anwendungen oder eigenen Aktivitäten. Zwingend notwendig ist daher, sich an die Regeln zu halten, die das Haus vorgibt. Es ist schließlich ein Krankenhaus.

Der Aufenthalt wird zudem von den Krankenkassen finanziert und nicht nur deshalb haben Menschen, die glauben, hier eine Art bezahlten Urlaub machen zu können, genau hier nichts verloren. Reha ist Arbeit an und für sich, aber das kann auch sehr lustig sein.

Was nicht geht?

Permanentes Unpünktlichsein - stört den Rest der Gruppe.

Missachtung von strikten Anordnungen wie etwa dem Rauchverbot in und ums Haus. Nur ein kleiner Pavillion in gut 20 Meter Entfernung ist samt ein paar Bänken Raucherzone. Auch Rauchen im Wald ist strikt untersagt.

Alkohol und andere Substanzen sind streng untersagt. Nur bei Alkohol gibt es einen einzigen ärztlich und medizinisch kontrollierten Testabend. Wer sich es unbedingt anderweitig besorgen will - womit auch immer - kann Koffer packen und zahlt die bisherigen Aufenthaltstage selbst.

Auch Skurilles ist nicht statthaft. Ein Patient verwandelte sein Zimmer innerhalb weniger Tage in eine Messi-Hölle - das Reinigungspersonal streikte. Der Patient rauchte zusätzlich am Zimmer und ließ bis spät in die Nacht sein TV-Gerät bei offenem Fester in voller Lautstärke laufen. Er fuhr kurz darauf nach Hause.

In einem anderen Fall boykottierten ein paar Typen die gruppendynamischen Spiele einer ganzen Gruppe. Ein gemeines No Go!

Eine andere Patientin geisterte zu später Stunde im Nachthemd durch die langen Gänge. Ob sie Schlafwandlerin war, konnte ich nicht eruieren, jedenfalls dauerte ihre Therapie nicht volle drei Wochen.

Soviel dazu, wie es nicht geht.

Wie es geht, auf einen Reha-Aufenthalt oder einen Fit4Life-Turnus nach Alland zu kommen, erfahren Sie unter folgendem Link: https://www.ska-alland.at/de/home/

 

Peter Hopfinger 4.0

3 Angels for Twobeers

In loser und keineswegs vollständiger Reihenfolge möchte ich einzelne Teilnehmer unseres Turnus vorstellen. Heute ist Lisa an der Reihe: sie ist 24 Jahre, kommt aus Braunau und ist von Beruf Krankenschwester. Vor zehn Jahren wurde bei ihr Typ 1 diagnostiziert und ja, diese Diagnose hat bei der Berufswahl durchaus eine Rolle gespielt. Schon heute fragen die Kollegen des Krankenhauses bei ihr nach, wenn sie es mit einem Typ-1-Patienten zu tun bekommen.
Trotzdem: Lisa war noch nie auf einer Reha und wollte es „sich einmal anschauen“. „Ich wollte mehr über die technischen Möglichkeiten von heute erfahren und mich mit anderen Schicksalsgefährten austauschen“, erzählt sie freimütig. Ihr Fazit nach knapp einer Woche: „Ich bin voll begeistert und noch mehr motiviert“, strahlt sie.
Das tut sie oft, die junge Frau, die in ihrer Freizeit noch einen zweiten Job hat. Mit ihrer Band „3 Angels for Twobeers“ (gemeint ist nicht der Gerstensaft sondern der Schlagzeuger des Quartetts, Tobias) ist sie aktuell gut gebucht und spielt bei ihren Auftritten fast alles von den 80ern bis heute. Nur beim Stichwort „Schlager“ rümpft sie die Nase. „Nein wirklich, Schlager spielen wir keine!“
Mehr über die „3 Angels for Twobeers“ findet man auf Facebook unter 3Angels For Twobeers

 

Bettina Blanc 4.0

„Bua, dir wird dei  Hos´n z´weit – geh zum Oazt!“
(Lieber Sohn, deine Hose ist dir zu weit, bitte geh doch zum Arzt)

„So wurde mir mit 20 Jahren glücklicherweise gleich Blut abgenommen. Blöderweise war das Ergebnis Typ 1 Diabetes.“
Mario, 34 Jahre alt, lebt in Niederösterreich und seit seinem 8. Lebensjahr mit seiner Mutter und seinem jüngeren Bruder zusammen. Der Vater hatte sich scheiden lassen.
Seine Großeltern waren  in der Anfangszeit seine Ansprechpersonen, da die alleinerziehende Mama arbeiten musste.
Opa hatte schon lange „Zucker“ und fiel einmal vor Marios Augen kurz vor dem Küchenkasterl  um, in welchem der Traubenzucker  war. „Später erst wurde mir klar warum.“ erzählt er.
 
Seit seinem 14. Lebensjahr hatte Mario  schon die gemeinsame Verantwortung übernommen – für sich und seinen Bruder.
Als dann mit 20 klar war, dass er Diabetes hatte, wurde dem sportlichen Fußballer eine weitere Verantwortung übergeben.

Mittlerweile ist der 34jährige junge Mann ein stolzer Hausbesitzer (selbst gebaut) und arbeitet als Chef-Logistiker mit acht Mitarbeitern. Anna, seine Freundin studiert noch, ist aber enthusiastische Partnerin.
Mit all seinen Hoch´s und Tief´s ist sein wichtigster Leitsatz: Geht ned, gibt´s ned!

 

Peter Hopfinger 5.0

Kurschatten und ihre Schattenseiten

Er gehört seit der Erfindung der „Kur“ zu ihr wie der Deckel zum Topf – der Kurschatten. Er ist keineswegs nur männlich und viele Geschichten und Anekdoten und vielleicht auch die eine oder andere lustvolle oder wehmütige Erinnerung lassen ihn unvergesslich sein.

Dabei ist ja gegen einen Flirt oder gar eine Affäre während des dreiwöchigen Aufenthalts gar nichts zu sagen, wenn Schatten und Beschattete/r einig sind. Im Gegenteil: es gibt Mediziner, die der Ansicht sind, dass so eine kurze Geschichte sogar positiv verstärkend wirken kann.

Blöd wird es nur, wenn einer von beiden grundsätzlich kein Interesse hat und der oder die „SchattenspenderIn“ das entweder nicht mitbekommt oder – schlimmer – es ignoriert. (Eine kompliziertere Variante: einer der beiden will die Liaison auch aus der Anstalt mit nach Hause nehmen, aber der/die andere hat zu Hause eine aufrechte Partnerschaft.) Das ist dann eine echte Schattenseite.

Wie gesagt: bei Einigkeit ist es ja kein Problem, aber wie agieren, wenn man kein Interesse hat? Unhöflich will man ja auch nicht sein. Frauen haben längst gelernt, nein zu sagen und tun das auch. Männer sind Anmache von Frauen weniger gewohnt und tun sich deshalb manchmal schwer.

Trotzdem gilt: Mann und Frau müssen im Ablehnungsfall strikte Trennlinien ziehen.

Bis hierher und nicht weiter. Das haben in heutigen Zeiten auch die einfachsten Männer zu verstehen und tun es meist auch. Aber auch Frauen müssen es verstehen, was Prinzessinnen unter ihnen gar nicht so leichtfällt.

Was man auf keinen Fall tun sollte? Seine Zimmernummer verraten, denn sonst kann das als Einladung verstanden werden. Plötzlich klopft es an der Tür: „Kann ich reinkommen?!“ Aber diese Schattenseite gibt es wohl nur in Einzelfällen, oder?

Bettina Blanc 5.0

Danke, jetzt is ma kloa!

Ich beobachte die „frisch G´fangten“ beim Hantieren mit 12 und 14 Broteinheiten (BE)  beim Frühstück. Es gibt Mädchen mit gutem Süßigkeitenumgang – 3 Twix mit Pringles als Zwischenmahlzeit und für die Nachspeise zum Nachtmahl dann noch ein Sackerl Skittles pro Person!
Otto Normalverbraucher würde milde den Kopf schütteln und lapidar: „Na so sind´s halt – die Jungen!“ abwinken.
Der erwachsene Diabetes-Otto würde die Hände über dem Kopf zusammen schlagen und fragen, ob denn Diabetes – Zuckerkrankheit heißt?
Die Antwort: 12 bis 14 BE sind völlig in Ordnung, wenn die richtige Menge Insulin verabreicht wird und der Blutzuckerverlauf während der Verdauung kaum die 180 – 200mg/dl überschreitet .

Die Megaladung Süßigkeiten ist dagegen auf Dauer ein „Himmelfahrtskommando“. Vor allem deshalb, weil die dazu passenden Diabetiker sich um den Verlauf des Zuckeran- und abstiegs in den seltensten Fällen größere Gedanken machen. Diese Diaseele fragt sich dann nur am nächsten Tag, wie das sein kann, dass der Blutzucker über 250mg/dl liegt, obwohl man eh gespritzt hat.

So – und jetzt zu mir! In meinem 42 Jahre alten Diabetikerleben habe ich die „kleine“, die „jugendliche“, die „junge“ und die „alte“ Diabetikerseele sehr präsent. Meine Empathie bei Süßigkeitenfressattacken kommt nicht von Ungefähr. Auch das Verständnis für – ich muss dringend rauchen und will´s mir bestimmt nicht abgewöhnen (geht ja gar nicht!)  bis hin zu – ich bin einfach zu müde, es ist mir alles sch…egal oder aber bei Wettbewerben einen Überehrgeiz entwickeln müssen!!!!!

All das wohnt in einer jugendlichen Seele! Zu dieser Zeit wurde ich FIT geschult und bekam all diese Freiheiten „geschenkt“ – leider recht tückisch, weil da wohnt ja noch ein anderes Hormonbündel drin.

Die junge Seele plagte sich dann mit den Fragen: Was will ich werden? Wohin soll´s gehen? Brauch ich einen Seelendoktor oder sollte ich den Zucker besser in den Griff bekommen? In dieser Zwickmühle hab ich zwar einige Fortbildungen besucht gehabt, aber die Umsetzungen waren zu marginal, um mich aus dieser Misere zu befreien.

Die „alte“ Bettina – Ehefrau, Mutter, Lehrerin hat nun endlich verstanden – Unsterblich bin ich nicht – Spätfolgen habe ich selber zu verantworten – und es geht Vieles ohne Seelendoktor, wenn der Blutzucker „gerade“ läuft.
Tja – für mich bleibt nur noch die Frage offen: Warum erlauben sich aktuell manche Jugendliche einen so häufigen und unbeherrschten Umgang mit Süßem?

Heute Früh ist mir klar geworden, warum.
Meine Ausgangsbedingungen vor 40 Jahren: „Du musst um 7, um 10, um 11, um 1, um 3, um 6 und um 9 Uhr eine bestimmte Menge Kohlehydrate zu dir nehmen! VERBOTEN sind alle Süßigkeiten, auch Getränke mit Süßstoff, 1 zuckerfreier Kaugummi pro Tag und das war´s!!!!

Morgens spritzen! Mit 7 Jahren fühlte sich das wirklich wie eine arge Krankheit an. Außerdem war jede Menge Verzicht zu üben: Kein Eis im Sommer  (Diabetikereis nur um 3.00 Uhr und es schmeckte ekelhaft, sodass der Verzicht leicht fiel!)

Heute beginnt dank der Fit-Therapie der Arzt mit den Worten: „Sie können so leben, wie jeder normale Mensch! Bisserl gesünder, bisserl mehr Bewegung und man muss schon auf das Insulin achten und etwas über Basis- und Bolusabgabe wissen und……..!“

„Gesagt, getan!“ denken sich da manche Jugendliche, weil der Unsterblichkeitsblick gegeben ist, weil das Revoluzzern der Jugend gehört, weil man in der Peergroup als gleichwertig angesehen werden will. Das Wissen über die Konsequenzen wird gehört, aber ignoriert, weil der Jugendliche im Jetzt und Heute lebt und zur jugendlichen Gelassenheit und Wurschtigkeit neigt. Es gibt keinen Verzicht mehr über einen längeren Zeitraum.

Jede dieser Seelen in meiner Brust ist jederzeit abrufbar. Sie fühlen sich manchmal anstrengend an, haben aber eine enorme Entwicklung genommen, und werden von allen Mitwirkenden in Alland sehr liebevoll und wertschätzend unterstützt!

 

Peter Hopfinger 6.0

Lehr-Küche statt leerer Küche

Es ist doch im Alltag oft so: der Kühlschrank ist fast leer oder mit Hochkalorischem vollgestopft, die Zeit für´s und die Lust am Kochen fehlt auch. Die Lösung ist oft: ein Lieferservice anrufen oder ein Fertigfutter aus der Kühltruhe, rein in die Mikro und in fünf Minuten dampft etwas auf dem Tisch. Das sieht zwar dann aus wie vernünftige Nahrung, ist aber in vielen Fällen eine mit Fett und Zucker angereicherte Kalorienbombe.
Der Allander Diabetologe Dr. Johann Benedek sagt von sich selbst: „Ich darf hier seit 30 Jahren Doktor spielen, wäre aber eigentlich gerne Koch geworden.“ Er reist viel und gerne und kocht in jeder Weltgegend mit Einheimischen lokale Köstlichkeiten. „So lernt man Land und Leute wirklich kennen“, ist der Mediziner überzeugt.

Einer zehnköpfigen Gruppe aus unserem Turnus (mehr haben sinnhafter Weise beim Kochen nicht Platz) will er in einem Experiment zeigen, wie einfach einerseits ein Thai-Chicken-Curry mit Gemüse und Reis und andererseits Himbeereis herzustellen ist.

Jeder Teilnehmer investiert 10 Euro, wir fahren in den Ort und erstehen frische Putenschnitzel, Milch, Paprika und tiefgefrorene Himbeeren. Die anderen Zutaten wie Lemongras, Ingwer, Reis, Fisolen, Melanzani, Knoblauch etc. wurden schon vorab besorgt.
Kaum zurück vom Einkaufen beginnt ein heftiges Schälen, Putzen und Schneiden, das sich einerseits seltsam anfühlt, weil wir alle (Krankenhausbestimmung) Gummihandschuhe tragen müssen, das aber andererseits letztlich ohne Verletzungen abging.

Reis wurde gekocht. Alle Zutaten in große Töpfe gegeben, vermischt und mit Currypaste abgeschmeckt, angebraten und schließlich mit Kokosmilch gelöscht. In einem eigens dekorierten Raum konnten wir wenig später unser selbst gekochtes Thai-Curry geniessen. Gerade einmal 2 1/5 BE. Und noch einmal durften wir in die Lehrküche. Süßigkeiten auf ihre Broteinheiten einschätzen.

Wußten Sie etwa, dass drei Stück Marsh Mallows schon ein Broteinheit sind?
Mehr darüber demnächst von Bettina Blanc.

Bettina Blanc 6.0

Süße Grüße vom Schätze schätzen

Im Supermarkt befindet sich die Abteilung mit den „süssen Schätzen“ oft in Kassennähe: Gummibärli, Nimm2, Sportgummi, Chips, Toffifee, Raffaello und unendlich viel mehr. Lauter großartige Versuchungen, die auch Diabetiker diese Süßigkeiten manchmal mit sabbernden Mäulern in den Einkaufwagen legen lässt.

Daheim „gönnt“ man sich dann - wie alle Normalsterblichen auch - einige Stückerln. Die Schlauen unter uns haben für diesen Genuss schon eine eigene Strategie entwickelt.
Für weniger Broteinheiteninteressierte gab´s dieser Tage eine wunderbare Stunde der Erkenntnis! Wir können alle Süßigkeiten nicht nur ausrechnen, sondern uns auch stückweise an die 1 BE – Liste heranarbeiten.

Gesagt, getan. 25 Fit 4 Life-PatentInnen hatten ca. 50 Produkte zur Auswahl – alles oberaffengeile Dinge!
Unser Auftrag hieß: Stellt fest, wie viel Gramm Kohlehydrate sind in 100g des Produkts zu finden?
Wie viel Gramm hat dann 1 BE? Wiege ab! Stelle fest, wieviele Stück es dann sind oder wie groß diese Portion am Teller aussieht, wenn sie 1 BE hat?
Wie emsige Bienchen summten, murmelten und rechneten wir und schrieben mit Erfolg eine perfekte Süßigkeitenliste mit Stück und Größenangaben für 50 Schätze.

3 Stück Toffifee sind 1 Be, 7 Raffaello sind 1BE, bei den restlichen Süßigkeiten lasse ich Leserin und Leser gerne alleine ins Geschäft wandern, die Lieblingsprodukte aussuchen. Dann fotografiert er/sie die Rückseite des Produkts mit den nötigen Angaben. In einer Stunde wird alles berechnet und mit Familie oder Freunden zusammen gefuttert  – was für ein Fest!
Mit süßen Grüßen Eure Bettina