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5-fach-Mord in Kitzbühel durch 25jährigen mit Typ-1-Diabetes?

Patienten wehren sich gegen offensichtlich geplante Verteidigungslinie. Und was meinen Sie? Schreiben Sie uns Ihre Meinung!

Es war im Oktober vergangenen Jahres als eine schreckliche Bluttat in Kitzbühel weltweit für Schlagzeilen sorgte. Ein 25jähriger hat nachdem er von seiner Freundin verlassen wurde, diese, ihren Freund und auch den Bruder und die Eltern des Mädchens kaltblütig erschossen. (Für den Mann gilt, obwohl er vor der Polizei gestanden hat, die Unschuldsvermutung).

Seit seiner Festnahme sitzt der Mann in U-Haft, jetzt bereitet man den Prozess gegen ihn vor. Doch jetzt führt einerseits die Berichterstattung und andererseits die darin zu lesende Verteidigungsstrategie zu Unmut bei Hunderttausenden Menschen mit Diabetes. Denn in der Tiroler Tageszeitung schreibt Reinhard Fellner:

Innsbruck, Kitzbühel – Am 6. Oktober trug Tirol Trauer. Hatte sich ein 25-jähriger Einheimischer doch frühmorgens bei der Polizeiinspektion Kitzbühel gestellt und dort von einer Tat berichtet, die noch am selben Tag um die Welt gegangen ist. Wenig später fanden die Beamten in einem Kitzbüheler Einfamilienhaus die 19-jährige Ex-Freundin des Arbeiters, deren Freund, Vater, Mutter und Bruder erschossen im Haus vor.

Die Obduktion der Leichen hatte Tage später ergeben, dass die Pistolenschüsse allesamt aus nächster Nähe abgegeben worden waren. Nach der Aufarbeitung des Beziehungsgeflechts zwischen dem bislang umfassend Geständigen – für den 25-Jährigen gilt die Unschuldsvermutung – und den Getöteten durch das Landeskriminalamt erschien der an sich völlig unerklärliche Exzess des bislang unbescholtenen Unterländers im Lichte von Eifersucht und Zurückweisung. War die Beziehung doch erst zwei Monate vor der Tat auseinandergegangen, bei einem Zusammentreffen in einem Lokal sei es dann Stunden vor der Bluttat nochmals zu einem heftigen Streit zwischen beiden gekommen.

Der 25-Jährige befindet sich seit Oktober wegen Verdachts des fünffachen Mordes in Untersuchungshaft. Eine videoüberwachte Zelle soll für dessen eigene Sicherheit garantieren.

Aufgrund der Unerklärlichkeit des Massakers durch den ansonsten als eher ruhig beschriebenen Mann hat dessen Verteidigung nun ein medizinisches Gutachten in Auftrag gegeben.

Der 25-Jährige ist schwerer Diabetiker. Eine Auswertung seines Blutbildes und Gesundheitszustandes soll demnach medizinisch abklären, ob sich dies auf das Verhalten und letztlich auf die Zurechnungsfähigkeit des Verdächtigen zur Tatzeit ausgewirkt haben könnte. Schon vorab war dem Unterländer zur Beweissicherung auch dessen Insulinpumpe abgenommen worden.

Bis zum Eintreffen der Expertise wird wohl auch das psychiatrische Gutachten von Gerichtspsychiaterin Adelheid Kastner bei der Innsbrucker Staatsanwaltschaft eingelangt sein. Staatsanwalt Hansjörg Mayr auf Anfrage der TT: „Die psychiatrische Sachverständige wird auch zum möglichen Einfluss der Diabetes auf die Zurechnungsfähigkeit Stellung nehmen. Dann kann beurteilt werden, ob ein Ergänzungsgutachten erforderlich ist.“

Das wiederum ließ Sabine Moser, sie ist selbst seit 47 Jahren an Typ 1 erkrankt und schult seit 28 Jahren Menschen mit Diabetes an den Tirol Kliniken nicht ruhen und so erschien folgende Replik von ihr gezeichnet im Namen von weiteren zehn Patienten.

„Ich möchte einer generellen Diskriminierung von DiabetikerInnen schärfstens entgegentreten. Durch diesen Artikel und das geplante medizinische Gutachten könnte der Eindruck entstehen, dass alle DiabetikerInnen potenziell gefährliche TäterInnen sein könnten.

Zweifelfrei ist der mutmaßliche Fünffachmord eine Tragödie. Aber was soll ein Mord mit dem Diabetes zu tun haben bzw. was soll der Diabetes mit einem Mord zu tun haben?

Diabetes – vor allem Typ-1-Diabetes ist eine Stoffwechselerkrankung, die weder die Geschäftsfähigkeit noch die Selbstbestimmung der PatientInnen ausser Kraft setzt. Wenn ein/e DiabetikerIn an Unterzuckerung leidet, dann kann er/sie in diesen Minuten nicht morden, weil der Körper keine Energie hat. Auch ein hoher Blutzuckerwert verursacht kein mörderisches Handeln.

Nach genau 47 Jahren Typ-1-Diabetes und 28jähriger DiabetikerInnen-Schulungstätigkeit an den Tirol Kliniken weiß ich um die Gewissenhaftigkeit der PatientInnen. Vor jeder Mahlzeit, vor jeder Autofahrt, während jeder sportlichen Betätigung, mehrmals in der Nacht messen wir unseren Blutzucker. Ausserdem bemühen wir uns (ich spreche auch im Namen vieler meiner Freundinnen und Freunde, die Typ-1-Diabetes haben) unsere Arbeit gewissenhaft und verantwortungsbewußt zu erledigen, obwohl wir nie Urlaub von unserem Handcap machen können.

Jeder Angeklagte hat das Recht auf eine Verteidigung. Es kann aber nicht sein, dass eine Strafverteidigung benutzt wird, um eine ganze Menschengruppe zu diskriminieren.

Und was meinen Sie? Schreiben Sie uns Ihre Meinung!

Wir werden weiter darüber berichten.

office(at)diabetes-austria.com

Lesen Sie hier die ersten Reaktionen:

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich kam der Stellungnahme von Fr. Sabine Moser nur beipflichten. Selbst bin ich Diabetikerin Typ 2. Bei Unterzucker ist man unfähig einen Mord zu begehen und bei zu hohen Werten merke ich dies nicht einmal – es gibt hier auch keine Stimmungsschwankungen.

Eigentlich sollten Medien objektiv berichten und nicht derartige Dinge verbreiten, die tausende Menschen diskriminieren und so Falschdarstellungen als gegeben verbreiten. So etwas ist mehr als erschütternd.

Mit freundlichen Grüßen

Regina P.

 

Bin selbst Diabetiker Typ 2 und seit 24 Jahren insulinpflichtig! Bin voll zurechnungsfähig! Daher bin ich dagegen, dass ein 5-fach Mörder auf Grund seines Diabetes an seiner Zurechnungsfähigkeit gezweifelt werden kann! Er ist für seine Tat voll zurechnungsfähig! Wo kämen wir denn hin, wenn alle Diabetiker nicht zurechnungsfähig wären???

Bin für strengste Verurteilung!

mfG FG